Telefonieren während der Fahrt

schilderwald handy
Bild: Fotolia/Thodonal

Handy am Steuer? Das wird teuer! Sollte man zumindest meinen. Doch leider scheinen 60 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg nicht auszureichen, um unvernünftige Autofahrer daran zu hindern, während der Fahrt mit ihrem Smartphone zu hantieren. Wie eine Statistik des Kraftfahrtbundesamts belegt, wurden 2011 etwa 450.000 Fahrer mit dem Handy am Ohr bzw. in der Hand erwischt – zunehmend auch Frauen. Die Gefahr, die davon ausgeht, wird allgemein unterschätzt. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf sein Handy schaut, ist 30 Meter im „Blindflug“ unterwegs. Das führt immer wieder zu schrecklichen Unfällen. Verlässliche Zahlen gibt es zwar nicht, doch der ADAC schätzt, dass in Deutschland jeder zehnte Unfall auf unzulässige Handy-Nutzung am Steuer zurückzuführen ist. Laut Europäischem Verkehrssicherheitsrat steigt das Unfallrisiko durch die Ablenkung um das 23-fache. Telefonieren ist da noch vergleichsweise harmlos. Das Schreiben einer Textnachricht, was immer häufiger vorkommt, verlangt deutlich mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer.

Kommt es in Folge der Handynutzung am Steuer zu einem Unfall, kann es sein, dass sich der Autofahrer wegen grober Fahrlässigkeit verantworten muss und die Versicherung den Schaden nicht vollständig übernimmt.

14 Meter Straße
Bild: Polizei Düsseldorf

Manchmal geht es eben nur mit drastischen Mitteln: Seit vergangenem Herbst gibt es in NRW eine Aktion des Innenministeriums mit dem Titel "14 Meter sind 1 Sekunde". Alle Behörden können sich diese 14 Meter lange Straße ausleihen und bei Veranstaltungen auf die Gefahren hinweisen – dazu gibt es Aufsteller mit Kind, Hund, einer älteren Dame mit Rollator und einem Jugendlichen, die im schlimmsten Fall in diesem 1-sekündigen Blindflug überfahren werden können.

Um es ein für alle Mal klarzustellen: Das Telefonieren im Auto ist nur mit einer Freisprechanlage erlaubt. Eine solche Freisprecheinrichtung erfüllt die gesetzlichen Anforderungen nur dann, wenn man mit ihr telefonieren kann, ohne das Handy oder einen sonstigen Hörer in die Hand nehmen zu müssen.

Verboten ist das Telefonieren mit dem Handy, das Annehmen eines Anrufs, das Wegdrücken eines Anrufs sowie das Surfen oder Schreiben von Textnachrichten. Die offizielle Bezeichnung des Vergehens, nämlich die „Nutzung eines Mobil- oder Autotelefons ohne Freisprecheinrichtung als Kraftfahrer bei laufendem Motor“, ist eigentlich eindeutig: Das Telefonieren ist auch an der roten Ampel verboten, selbst bei abgestelltem Motor, da Sie immer noch am laufenden Verkehr teilnehmen und jederzeit damit rechnen müssen, dass die Ampel umspringt und Sie weiterfahren müssen. Eine Freisprecheinrichtung in Form eines Kabels mit Kopfhörer und dem Handy in einer festen Halterung ist nach der Straßenverkehrsordnung gerade noch so erlaubt, aber im Sinne der Verkehrssicherheit nicht zu empfehlen, da das Hantieren mit den Kopfhörern ablenkt.

Also: Finger weg vom Handy beim Autofahren! Lassen Sie es in der Tasche, schalten Sie es aus oder schalten Sie es stumm, legen Sie es auf die Rückbank oder tun Sie, was auch immer Ihnen dabei hilft, gar nicht erst in Versuchung zu kommen, es während der Fahrt zu benutzen. Die anderen Verkehrsteilnehmer werden es Ihnen danken!

  • Handy am Steuer: 60 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg
  • Handy am Fahrradlenker: 25 Euro Bußgeld

Übrigens: Wenn Sie denken, 60 Euro wären viel Geld, dann werfen Sie mal einen Blick zu unseren europäischen Nachbarn. In den Niederlanden sind Sie 230 Euro los, wenn Sie mit Handy hinterm Steuer erwischt werden. In Spanien sind es 200 Euro, in Italien 160 Euro und in Frankreich 135 Euro. Zu Recht, finden wir!