Altersdiskriminierung

teas_diskriminierungDie Täter von heute sind die Opfer von morgen

Ob im Job, im Gesundheitswesen, in den Medien oder im Alltag – Altersdiskriminierung existiert überall. Doch im Unterschied zu Ausländerfeindlichkeit oder der Benachteiligung von Frauen gibt es für Altersdiskriminierung kaum ein Bewusstsein in unserer Gesellschaft. Das möchte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ändern.

Früher stand Alter für Erfah­rung und Weisheit – Eigen­schaften, denen man Respekt zollte. Heute denken viele dabei an Demenz und den Kollaps der Rentenkassen. Diese negativen Altersbilder prägen unsere Wirk­lichkeit. Das führt dazu, dass der 50­jährige Informatiker nicht mehr eingestellt wird, obwohl er hoch qualifiziert ist, über lang­jährige Berufserfahrung verfügt und viele Unternehmen hände­ringend Fachkräfte suchen. Die Diskriminierung älterer Men­schen zeigt sich aber nicht nur im Berufsleben, sondern auch beim Abschluss von Geschäften: Da verweigern Krankenkassen älteren Versicherten eine Heilbehandlung, lehnen Stromanbieter Neukunden allein aufgrund des Alters ab, verwehren Banken äl­teren Kunden trotz Sicherheiten einen Kredit und nehmen Versi­cherungen ab einem bestimmten Alter höhere Beiträge. Und auch im Alltag werden die Bedürfnisse älterer Menschen nur unzurei­chend berücksichtigt, was besonders bei der Stadtplanung und Produktentwicklung deutlich wird. Leider handelt es sich bei den genannten Beispielen nicht um Einzelfälle.

Beratung bei Diskriminierung in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes:

Telefonische Beratung: + 49(0)3018555-1865 (Mo. bis Fr. 9–12, 13–15 Uhr)

Per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fax: +49(0)3018555-41865

Information und  Aufklärung

Mal davon abgesehen, dass jede Form von Diskriminierung ver­urteilenswürdig ist, stellt sich die Situation bei Altersdiskri­minierung besonders paradox dar, da die Täter von heute die Opfer von morgen sind – es ist nur eine Frage der Zeit. Das sieht auch Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminie­rungsstelle des Bundes (ADS), so: „Altersdiskriminierung kann jeden treffen.“ Die ADS wurde 2006 mit Inkraft­treten des Allge­meinen Gleichbe­handlungsgesetzes (AGG) eingerichtet (s. Kasten).

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Wozu braucht es ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, wo doch die Gleichheit aller Menschen und der Schutz vor Diskrimi­nierung bereits in Artikel 3 des Grundgesetzes verankert sind? Das Grundgesetz verpḀichtet lediglich den Staat zu diskriminierungs­freiem Handeln, nicht aber die Bürger untereinander. Auch sind die Diskriminierungsverbote des AGG nicht völlig deckungsgleich mit denen des Grundgesetzes. Ein Schwerpunkt des AGG ist der Schutz vor Diskriminierung im Beruf. Neben einem arbeitsrechtlichen Benachteiligungsverbot sowie seinen Ausnahmeregelungen werden Maßnahmen und PḀichten des Arbeitgebers zum Schutz vor Be­nachteiligungen sowie Rechte der Beschäftigten (Beschwerderecht, Leistungsverweigerungsrecht) und ihre Ansprüche bei Verstößen gegen das Benachteiligungsverbot (Entschädigung, Schadenser­satz) geregelt. Im Zivilrecht erstreckt sich der Schutz des AGG auf Massengeschäfte, die typischerweise ohne Ansehen der Person abgeschlossen werden (z. B. essen gehen oder einkaufen), und privat­rechtliche Versicherungen. Bei Verstößen gegen das AGG können Benachteiligte Entschädigung und Schadensersatz verlangen. Mit Inkrafttreten des AGG 2006 hat der Gesetzgeber vier europäische Antidiskriminierungsrichtlinien in deutsches Recht umgesetzt.

Christine Lüders macht sich für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft stark: „Wer in Beruf und Alltag in diskriminierender Weise beleidigt, beschimpft, übergangen oder unfair behandelt wird, muss oftmals allein mit diesen frustrierenden Er­fahrungen fertig werden. Viele Menschen wissen nicht, dass es ein Gesetz gibt, das vor Diskriminierungen schützt. Oder sie kennen keine Anlaufstellen, wo sie Unterstützung finden. Des­halb ist es wichtig, Menschen leicht zugängliche Informati­onen und Hilfe anzubieten.“ Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstützt natür­lich nicht nur Menschen, die Altersdiskriminierung erfahren, sondern auch all jene, die wegen ihrer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder ih­rer sexuellen Identität benachtei­ligt werden.

Derzeit steht Altersdiskriminie­rung allerdings ganz oben auf der Tagesordnung, da die ADS 2012 zum Jahr für Gleichbehandlung von Jung und Alt erklärt hat, um auf die verschiedenen Erscheinungsformen von Altersdiskri­minierung und entsprechende Gegenmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Eine wichtige Rolle spielt das Thema 2012 auch auf europä­ischer Ebene: Ziel des „Europä­ischen Jahres für aktives Altern“ ist es, die Beschäftigungsfähig­keit älterer Menschen zu verbes­sern, sie dabei zu unterstützen, eine aktive Rolle in der Gesell­schaft einnehmen zu können, und gesundes Altern zu fördern. Politik, Wirtschaft und Verbän­de sind aufgefordert, bereits in diesem Jahr konkrete Aktionen anzustoßen, deren Ergebnisse dann zum Europäischen Jahr 2012 präsentiert werden sollen.