Ältere als Zielgruppe - Banken hinken hinterher

Tendenz zur Zweitbank

Bonn/Bremen, 18.11.2016 An den älteren Kunden geht heute kein Weg mehr vorbei, auch bei Banken. Nicht selten haben die betagteren Mitbürger ein ansehnliches Vermögen angesammelt und verfügen damit über größere finanzielle Spielräume als jede andere Altersgruppe. Und sie sind es, die einen Großteil der künftigen Hinterlassenschaften erben werden – nach einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge immerhin zwei Billionen Euro. Die meisten Wirtschaftszweige haben die ältere Generation schon als lukrative Zielgruppe ausgemacht. Banken jedoch hinken deutlich hinterher. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga DSL in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Bremen unter 430 Bankkunden über 50 Jahre.

Die meisten Befragten (91%) sind zwar zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Hausbank, sehen aber bei der Auswahl an Anlagemöglichkeiten und bei der Beratung noch Verbesserungspotential. Auch in punkto Serviceleistungen für Ältere gibt es bei Banken und Sparkassen erheblichen Nachholbedarf. So wissen viele Bankkunden (61%) entweder nicht, ob ihre Bank einen speziellen Service und Dienstleistungen für Ältere anbietet oder gaben an, dass es bei ihrer Bank einen solchen Service gar nicht gibt (29%). Dabei würde jeder Zweite (56%) gerne eine spezielle Beratung in Anspruch nehmen. „Dies zeigt deutlich den Wunsch nach einem speziellen Service für Ältere“, erläutert Dr. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen: „Dabei wollen sie nicht als Senioren angesprochen werden, sondern unter Berücksichtigung ihrer finanziellen, familiären und sozialen Lebenssituation"

Ältere Kunden vertrauen klassischen Filialbanken, wie Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken (84%), was verdeutlicht, dass den meisten der persönliche Kontakt zum Bankangestellten wichtig ist. Dagegen ist nur knapp jeder Zehnte (9%) Kunde einer Direktbank. Auffallend ist, dass drei von vier Befragten (71%) mindestens zu zwei Banken eine Geschäftsbeziehung haben. Die klassische Hausbank gibt es nicht mehr.

„Die Zielgruppe der Älteren ist sehr heterogen mit unterschiedlichen Zielen und Wünschen. Das erfordert individuelle Lösungen“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga: „Nach unserer Einschätzung werden Banken ohne seriöse Seniorenstrategie zu den Verlierern in diesem wachsenden Marktsegment gehören.“