Elektrofahrräder bei Senioren – ein Risiko?

Seniorenliga: Schützen statt verunsichern!

Bonn 26.11.2015 Das Radeln mit einem elektrisch unterstützten Fahrrad, dem sogenannten E-Bike oder Pedelec, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Insbesondere Senioren nutzen die Möglichkeit, sich bei steilen Anstiegen oder Strecken mit Gegenwind unterstützen zu lassen. Über zwei Millionen Exemplare sind mittlerweile zwischen Usedom und dem Bodensee unterwegs. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV e. V.) werden allein in diesem Jahr insgesamt über 500.000 E-Bikes verkauft. Getrübt wird dieser Trend durch aktuelle Medienberichte, die in diesem Zusammenhang von einem Risiko für Senioren sprechen. Die Deutsche Seniorenliga (DSL) plädiert gemeinsam mit dem pressedienst-fahrrad (pd-f) für eine sachliche Aufklärung statt pauschaler Verunsicherung.

„So tödlich sind Elektroräder“ und „Risiko Elektrofahrrad bei Senioren“. So titeln momentan die Medien, basierend auf der Angabe der Allianz-Versicherung, dass zehn Prozent der 2014 tödlich verunfallten Radfahrer mit Motor unterwegs waren (39 von 396). 32 dieser Verkehrsopfer waren 65 Jahre alt oder älter. Nach Auffassung des pd-f sind diese Meldungen tendenziös, weil sie Daten fehlerhaft analysieren. H. David Koßmann, Redakteur vom pd-f, relativiert die Zahlen: „Sie verlieren an Schlagzeilenpotenzial, erwähnte man, dass E-Bikes im gleichen Jahr ganze zwölf Prozent der in Deutschland verkauften Räder ausgemacht haben und vorwiegend von älteren Menschen gefahren werden. Zudem gibt das Statistische Bundesamt an, dass Senioren dreimal so häufig an den Folgen von Verkehrsunfällen sterben wie Menschen unter 65. Vergleicht man schließlich die Verkehrsmittel, mit denen Senioren im Straßenverkehr tödlich verunglückten, steht das Rad (inklusive E-Bikes) mit 22,9 % der Todesfälle sicherer da als das Auto (40,7 %) oder der Weg zu Fuß (25,2 %).“

Auch Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga und selbst passionierter Radfahrer, stellt eher die positiven Effekte des Radfahrens heraus: „Radfahren ist ideal im Alter, weil es Spaß macht, gesund hält und Räume erschließt, die man laufend so schnell nicht erreicht!“ Neben technischen Voraussetzungen ist für eine sichere Fahrt allerdings der Fahrstil entscheidend, so Hackler: „E-Bikes sind teils schneller und schwerer als übliche Räder. So kann es in forscher Kurvenfahrt eher zu Stürzen kommen und Bremswege werden leicht unterschätzt. Daher sollte man als Wiedereinsteiger besonders vorsichtig fahren und sich mit dem neuen Gefährt erst einmal vertraut machen!“ Durch den zunehmenden Verkehr und den damit verbundenen steigenden Anforderungen wären Trainingskurse für ältere Radfahrer eine sinnvolle Maßnahme. Zudem sollte laut Koßmann eine angemessene und zeitgemäße Infrastruktur für die schwächeren Verkehrsteilnehmer geschaffen werden. Das Fazit von Seniorenliga und pd-f: Radfahrerinnen und Radfahrer jeden Alters sollten besser geschützt und weniger verunsichert werden!

Die Deutsche Seniorenliga bietet eine Checkliste an, die einen umfassenden Überblick bietet, worauf beim Kauf eines E-Bikes zu achten ist. Auf www.deutsche-seniorenliga.de kann das pdf per E-Mail bestellt werden.