Unzufriedenheit Älterer über Produktinformationen – Enormes Kaufpotenzial wird ignoriert

Umfrage der Deutschen Seniorenliga

Bonn, 06.11.2015 Einkaufen ist nicht nur Lust - sondern manchmal auch Frust. Eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga in Zusammenarbeit mit der Xi’an Jiaotong-Liverpool University in Suzhou/China (XJTLU) hat nun ergeben, dass dies in besonderem Maße für Ältere gilt. Es herrscht eine große Unzufriedenheit hinsichtlich des Angebotes sowie der Produktinformation. Dabei sind Kunden über 50 Jahren kaufkräftiger als jede andere Altersgruppe: Laut einer Studie des Städte- und Gemeindetags soll die Kaufkraft der über 60-Jährigen von heute 300 Mrd. Euro sogar auf mehr als 400 Mrd. Euro im Jahr 2030 steigen.

„Ältere verfügen über eine erhebliche Kaufkraft und stellen einen großen Wirtschaftsfaktor dar“, betont Prof. Dr. Florian Kohlbacher von der XJTLU. Allein dieser Umstand ist nach seiner Ansicht Grund genug, sich von Seiten der Anbieter verstärkt auf die Bedürfnisse dieser Kundengruppe einzustellen. „Handlungsbedarf besteht genug“, meint Kohlbacher mit Hinweis auf die aktuellen Umfrageergebnisse. Danach müssen insbesondere drei Bereiche optimiert werden. So mangelt es schon an der allgemeinen Zufriedenheit mit den angebotenen Produkten: Gerade mal zwei Prozent der Befragten gaben an, mit dem Produktangebot zufrieden zu sein. Dabei mangelt es 82 Prozent der Befragten an einer ausreichenden Produktinformation und etwa 75 Prozent sind durch die Produktvielfalt überfordert. Hieraus resultiert sicherlich, dass auch das Image der Firmen eher weniger positiv gesehen wird. So meint jeder Fünfte der Befragten, die Firmen würden die Kunden im Stich lassen, sobald sie ihr Produkt verkauft haben. Schließlich ergab die Studie, dass weniger als die Hälfte (45 Prozent) den Produktherstellern vertraut.

Durch den demografischen Wandel werden ältere Konsumenten in den kommenden Jahren zahlenmäßig weiter zulegen. Die Umfrage zeigt deutlich, dass ältere Verbraucher offensichtlich nicht im Mittelpunkt des Handels und der Werbung stehen. Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga, kann dies nicht nachvollziehen: „Wenn man etwa ein Smartphone kaufen will, hat man mindestens 30 Geräte zur Auswahl. Da verlieren nicht nur Ältere die Lust. Oder man findet jemanden, der die Produkte erklärt.“ Hackler verweist auf lukrative Chancen für Produkthersteller und Handel, geeignete Waren mit Beratung anzubieten und so die ältere Generation als besonders treue Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus regt Hackler an, ältere Konsumenten in die Produktentwicklung mit einzubeziehen: „Daraus ergeben sich nicht nur vielversprechende Produkte und Dienstleistungen; den Kunden wird auch gezeigt, dass ihre Meinung wichtig ist.“

* Umfrage „Stimmungsbild der älteren Konsumenten“ der Deutschen Seniorenliga e.V. in Zusammenarbeit mit der Xi’an Jiaotong-Liverpool University in Suzhou/China. Teilnehmerzahl: 338