Vorhofflimmern erkennen – Schlaganfälle vermeiden

Experten fordern Screening für über 65Jährige

Bonn, 23.10.15 Mindestens jeder fünfte Schlaganfall geht auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück. Rund 10.000 Schlaganfälle pro Jahr wären in Deutschland vermeidbar – durch eine verbesserte Früherkennung und eine konsequente medikamentöse Schlaganfall-Prävention bei Risikopatienten. Experten fordern daher Routineuntersuchungen für alle Patienten über 65 Jahre.

Typische Symptome des Vorhofflimmerns, der häufigsten aller Herzrhythmusstörungen, sind Herzrasen, Unruhe, Atemnot oder Schwindel. Doch ein großer Teil der Betroffenen hat keine Beschwerden und weiß daher nichts von seinem erhöhten Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Experten betonen, dass schon einfache Maßnahmen dazu beitragen könnten, viele Fälle unerkannten Vorhofflimmerns rechtzeitig zu entdecken1. Sie fordern daher für Personen ab dem 65. Lebensjahr einen routinemäßigen Check, bei dem zunächst der Puls getastet und bei Auffälligkeiten ein EKG durchgeführt wird. Gleichzeitig soll der Arzt alle relevanten Risikofaktoren erheben, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen, Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum. Für alle Patienten mit der Diagnose Vorhofflimmern und mindestens einem weiteren Risikofaktor empfehlen die Experten eine Schlaganfall vorbeugende Therapie in Form von Blutgerinnungshemmern, so genannten Antikoagulanzien. Durch dieses Vorgehen könnten nach Schätzungen jährlich rund 10.000 Schlaganfälle verhindert werden.

Bei Verdacht auf Vorhofflimmern dranbleiben

Nicht in allen Fällen wird Vorhofflimmern durch Pulsmessung oder im EKG aufgedeckt. Bei einem Teil der Patienten kann es passieren, dass es während der EKG-Aufzeichnung beim Arzt zu keiner Flimmer-Episode kommt. Gibt es dennoch Anhaltspunkte für ein Vorhofflimmern, kann der Herzrhythmus mittels eines tragbaren EKG-Geräts in einer Langzeitmessung über mindestens 24 Stunden aufgezeichnet werden. Erlaubt auch dies keine eindeutige Diagnose, so gibt es eine Reihe weiterführender Untersuchungsmöglichkeiten. Einen Überblick über die verschiedenen diagnostischen Methoden bei Verdacht auf Vorhofflimmern bietet die Broschüre „Vorhofflimmern – Frühe Diagnose und Therapie beugt Schlaganfall vor“, die von der Deutschen Seniorenliga mit finanzieller Unterstützung von Bayer HealthCare Deutschland erstellt wurde. Sie erklärt den Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Schlaganfall und zeigt Risikofaktoren auf. Des Weiteren beschreibt sie die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und gibt Tipps zur Vorbeugung. Die Broschüre ist kostenfrei und kann telefonisch, postalisch oder über die Internetseite der Deutschen Seniorenliga angefordert werden: Deutsche Seniorenliga (DSL) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dsl-vorhofflimmern.de. Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).

(1) Miriam Kip, Tonio Schönfelder,  Hans-Holger Bleß: Weißbuch Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern, 16. September 2015,  Thieme Verlag, IGES-Institut GmbH (Herausgeber)


Hintergrundinformation: Vom Vorhofflimmern zum Schlaganfall

Beim Vorhofflimmern gerät das Herz immer wieder ins Stolpern, sodass es das Blut nicht mehr gleichmäßig weiterpumpt. Herzrasen, Erschöpfung, Atemnot und Brustschmerzen können die Folge sein. Gefährlich wird es, wenn sich das Blut in den Vorhöfen nicht mehr richtig vermischt und verklumpt. Im schlimmsten Fall wandert ein Blutgerinnsel in die engen Blutgefäße des Gehirns, unterbricht die Sauerstoffzufuhr und löst einen Schlaganfall aus. Gerinnungshemmer verhindern die Verklumpung des Blutes und können somit bei Patienten mit Vorhofflimmern das Risiko eines Schlaganfalls deutlich senken.