Damit Vorhofflimmern nicht zum Schlaganfall führt

Herzgesund leben, Blutdruck und Blutzucker im Griff

Bonn, 23.07.15 Vorhofflimmern betrifft in Deutschland mehr als zwei Millionen meist ältere Menschen. Die Herzrhythmusstörung geht häufig mit weiteren altersbedingten Erkrankungen einher, wie etwa Herzschwäche, Diabetes oder Bluthochdruck. Diese Kombinationen können böse enden: Vergrößert Vorhofflimmern allein das Risiko für einen Schlaganfall bereits um das Fünffache, so ist die Gefahr noch größer, wenn eine oder mehrere Grunderkrankungen hinzukommen. Wer herzgesund lebt, erhöhten Blutzucker oder Blutdruck konsequent angeht und gegebenenfalls vorbeugende Medikamente einnimmt, hat dennoch gute Chancen, das Schlimmste zu verhindern.

Vorhofflimmern wird häufig unterschätzt. Dabei entwickelt jeder vierte Erwachsene im Laufe seines Lebens diese häufigste aller Herzrhythmusstörungen (1). Patienten, bei denen Vorhofflimmern festgestellt wird, sollten ihr persönliches Risiko für einen Schlaganfall kennen. Dieses kann der Arzt mithilfe eines so genannten Scores, einer Punktetabelle, abschätzen. Besonders negativ schlagen ein vorangegangener Schlaganfall und ein Alter über 75 Jahre zu Buche. Beide Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen, ebenso wenig wie das weibliche Geschlecht und eine vorliegende koronare Herz- oder Gefäßkrankheit. Dennoch sind die Betroffenen nicht machtlos. Denn Diabetes und Bluthochdruck stehen ebenfalls auf der Liste der Risikofaktoren, und dagegen kann man durchaus etwas tun, weiß der Herzspezialist Professor Dr. med. Thorsten Lewalter vom Peter Osypka Herz Zentrum an der Internistischen Klinik Dr. Müller, München-Thalkirchen: „Am besten kann man diesen Erkrankungen vorbeugen, indem man sich gesund ernährt, ausreichend bewegt und nicht raucht. Allerdings leiden viele Patienten mit Vorhofflimmern bereits an Diabetes und Bluthochdruck. In diesem Fall ist es wichtig, beides durch eine gesunde Lebensweise und eine konsequente Therapie in Schach zu halten.“ Wenn viele Risikofaktoren zusammenkommen, ist es sinnvoll, zusätzlich Medikamente zur Gerinnungshemmung einzusetzen. Sie verringern die Wahrscheinlichkeit, dass das Blut verklumpt und mindern so die Gefahr eines Schlaganfalls.

Ausführliche Informationen über den Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Schlaganfall enthält die Broschüre „Vorhofflimmern – Frühe Diagnose und Therapie beugt Schlaganfall vor“. Dort wird erklärt, was beim Vorhofflimmern passiert, welche Untersuchungen beim Verdacht auf die Herzrhythmusstörung sinnvoll sind, warum Vorhofflimmern das Risiko für Schlaganfälle erhöht und wie dies verhindert werden kann. Die Broschüre wurde mit Unterstützung von Bayer HealthCare Deutschland realisiert. Sie ist kostenfrei und kann telefonisch, postalisch oder über die Internetseite der Deutschen Seniorenliga angefordert werden: Deutsche Seniorenliga (DSL) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dsl-vorhofflimmern.de. Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).

Hintergrundinformation: Vom Vorhofflimmern zum Schlaganfall

Beim Vorhofflimmern gerät das Herz immer wieder ins Stolpern, sodass es das Blut nicht mehr gleichmäßig weiterpumpt. Herzrasen, Erschöpfung, Atemnot und Brustschmerzen können die Folge sein. Gefährlich wird es, wenn sich das Blut in den Vorhöfen nicht mehr richtig vermischt und verklumpt. Im schlimmsten Fall wandert ein Blutgerinnsel in die engen Blutgefäße des Gehirns, unterbricht die Sauerstoffzufuhr und löst einen Schlaganfall aus. Experten gehen davon aus, dass ungefähr 15 Prozent aller Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückgehen. Eine aktuelle kanadische Untersuchung (2) von 50 Studien mit mehr als 11.600 Schlaganfall-Patienten deutet darauf hin, dass der Anteil möglicherweise sogar darüber liegt. Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern ausgelöst wurden, verlaufen besonders häufig schwer oder sogar tödlich.

(1) https://idw-online.de/de/news633188
(2) Luciano A Sposato, Diagnosis of atrial fibrillation after stroke and transient ischaemic attack: a systematic review and meta-analysis, Lancet Neurology 2015; 14: 377-387