Innovationspotenzial von Senioren nutzen

Bonn, 17.02.2015 Zu den großen Herausforderungen moderner Industrienationen gehört der Umgang mit einer zunehmend alternden Bevölkerung. Auch Industrie und Handel müssen sich auf eine immer älter werdende Klientel einstellen. Dabei wird bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen das enorme Innovationspotenzial älterer Menschen noch viel zu wenig genutzt.

Hohe Kaufkraft

In Deutschland verfügt die Generation 50plus mit einer Kaufkraft von über 720 Milliarden Euro pro Jahr über eine enorme Marktmacht. Bisher aber fühlen sich viele ältere Kunden nicht genügend wertgeschätzt. So sind viele von ihnen der Meinung, auf die Bedürfnisse und Wünsche der reiferen Generation würde immer noch zu wenig eingegangen. „Kunden wünschen sich, auch im Alter mit Respekt behandelt zu werden und erwarten in diesem Sinne die Wahrnehmung und Berücksichtigung ihrer Interessen als Verbraucher", so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga (DSL): „Hersteller und Anbieter von Dienstleistungen, die sich rechtzeitig auf die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe einstellen, haben die große Chance, sich auf dem Markt als kompetenter Anbieter zu positionieren und Kunden frühzeitig zu binden", erläutert Hackler.

Einbindung älterer Kunden

Diese Entwicklung macht es notwendig, sich intensiver mit dem Potenzial älterer Menschen sowie der Ideenfindung durch die sogenannte Weisheit der Massen (Crowdideation oder Crowdsourcing) auseinanderzusetzen. „Heute ist es gängige Methode, Kunden als Partner oder sogar als Initiatoren eines Innovationsprozesses zu gewinnen", berichtet Nicolai Andersen, Leiter Innovation bei der Unternehmensberatung Deloitte. Oftmals jedoch setzt sich die „Crowd" der Ideengeber aus kleinen, vor allem sehr homogenen Gruppen zusammen, die mit der Zielgruppe wenig gemein hat. „Aber gerade der intensive Dialog mit der eigentlichen Zielgruppe und das systematische Sammeln von Kundenideen schafft Unternehmen den Mehrwert, die Innovationspipeline kundenorientiert gut gefüllt zu halten", so Andersen: „Nur so können die Absatzmöglichkeiten am wachsenden und finanzstarken Seniorenmarkt optimal genutzt werden!"

Lebenserfahrung und Lebenswissen

Auch die Seniorenliga veranstaltet Fokusgruppen-Workshops, um Anforderungen an die Funktionalität des zu entwickelnden Produkts oder die Gestaltung einer Dienstleistung alters- und damit kundengerecht zu definieren. „Wir können es uns zukünftig nicht leisten, die Kreativität der älteren Generation, d. h. von immerhin künftig einem Drittel der Bevölkerung, zu ignorieren", so Hackler. Ältere Menschen bringen nicht nur mehr Lebenserfahrung und Lebenswissen in Unternehmen mit ein. Sie zeichnen sich darüber hinaus durch eine hohe Motivation und eine pragmatische Intelligenz aus. Für Bereiche, in denen Produkte oder Dienstleistungen kreiert werden, ist diese Art der Lebensklugheit fundamental. Dies konnte auch die Seniorenliga mit dem Forschungsprojekt OpenISA, einer offenen Innovationsplattform für gesundheitsbezogene Dienstleistungen im Alter, zeigen. Bei den Projekten wurden Ältere in ihrer Rolle als Kunde oder Angehörige in Innovationsprozesse eingebunden, um bestimmte Problemstellungen zu lösen. Auch in Zukunft wird die DSL in diesem Bereich aktiv sein.

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