Umfrage: Beratung über Pflegeleistungen oft unzureichend

Seniorenvertretungen vor Ort helfen gezielt weiter

Bonn, 25.05.12 Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft  in den nächsten Jahrzehnten dramatisch. Dies gilt im Besonderen für den Bereich der Altenhilfe und Pflege. Bereits jetzt sind in Deutschland zwei Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Mehr als zwei Drittel davon werden von ihren Angehörigen versorgt.

Entsprechend hoch ist der Beratungsbedarf: Welche Hilfsleistungen gibt es überhaupt? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um einen Anspruch auf Pflegeleistungen zu rechtfertigen? Welche Leistungen übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung? Eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga bestätigt, dass man bei diesen Fragen selten gut beraten wird. Über die Hälfte der Teilnehmer musste mehrere Stellen befragen, um umfänglich zur Pflegethematik beraten zu werden. In der Regel  wurden zwischen zwei bis sechs Stellen kontaktiert. Befragt nach der Reihenfolge der Ansprechstationen nannte jeder Zweite die ambulanten Pflegedienste als erste Präferenz. Danach folgen Verwandte und Freunde.

Die Deutsche Seniorenliga rät, sich in jedem Fall umfassend beraten zu lassen. Fragen rund um die Pflege beantwortet seit kurzem das neue Servicetelefon „Wege zur Pflege“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Als Lotse zu den Angeboten vor Ort für alle Fragen rund um das Thema „Pflege und Hilfe im Alter“ soll das Servicetelefon Hilfe und Unterstützung bieten.

Auch die örtlichen Seniorenvertretungen informieren über die Pflege. Unter www.ihre-seniorenvertretung.de können im Internet bundesweit die Kontaktadressen der Seniorenvertretungen vor Ort durch Angabe der Postleitzahl recherchiert werden.

Die Seniorenliga rät, vor Vertragsabschluss pflegerische Angebote und Kosten mehrerer Pflegedienste zu vergleichen. Außerdem sollte man sich bei der Pflegekasse nach den Ergebnissen der Pflegequalitätsprüfung erkundigen und dabei besonders die Ergebnisse bei den „pflegerischen Leistungen“ und „ärztlich verordneten Leistungen“ abfragen.

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung“, meint Hackler. „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationen-übergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft.“

Der Begriff „Aktives Altern“ wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: „Aktives Altern“ ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern“.*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.