Das sollten Ältere mit chronischen Schmerzen wissen

Neue Patientenbroschüre der Deutschen Seniorenliga

Bonn, 31.05.12 Ältere Menschen leiden deutlich häufiger an Schmerzen als junge. Dennoch ist Schmerztherapie im Alter alles andere als Routine. Welche Besonderheiten für ältere Schmerzpatienten gelten und worauf es bei der Behandlung ankommt, erklärt eine Patientenbroschüre der Deutschen Seniorenliga.

Schmerzen lassen sich nicht so exakt messen wie Blutdruck oder Leberwerte. Jeder Mensch empfindet Schmerzen anders. Die jeweilige Lebenssituation spielt dabei ebenso eine Rolle wie das Lebensalter: Altersbedingte Veränderungen des Körpers und bestimmte psychische Probleme, etwa durch den Verlust des Partners, führen dazu, dass alte Menschen Schmerzen anders wahrnehmen als jüngere. Akute Erkrankungen oder Verletzungen machen sich bei ihnen nicht immer durch den typischen Akutschmerz bemerkbar. Hinzu kommt, dass viele vor allem länger anhaltende Schmerzen als natürliche Begleiterscheinung des Alterns einfach hinnehmen. In der Folge werden Schmerzen bei alten Menschen oftmals nicht rechtzeitig behandelt und entwickeln sich zu einem eigenen Krankheitsbild, das die Lebensqualität erheblich einschränkt. Dennoch haben auch alte Menschen gute Chancen auf ein weitgehend schmerzfreies Leben, wenn die Besonderheiten des Alters bei der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden.

Risiko für Nebenwirkungen begrenzen

Der langjährige Hausarzt ist für die meisten älteren Menschen der wichtigste Ansprechpartner. Eine gute Zusammenarbeit zwischen ihm und anderen Fachdisziplinen wie Neurologie, Orthopädie oder Innere Medizin ist besonders wichtig. Das gilt auch in punkto Medikamente, die sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen. Denn ältere Menschen haben einen langsameren Stoffwechsel, bauen Wirkstoffe schlechter ab und tragen daher ein besonders hohes Risiko für Medikamenten-Nebenwirkungen. Aus diesem Grund sollten ältere Patienten auch sehr vorsichtig mit frei verkäuflichen Arzneimitteln umgehen und diese nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen – denn rezeptfrei heißt nicht frei von Nebenwirkungen. Anstatt eigenmächtig ein schwach wirkendes Schmerzmittel immer höher zu dosieren ist es sinnvoller und sicherer, ein vom Arzt verordnetes Medikament einzunehmen, das zur Schmerzstärke und zur Art des Schmerzes passt.

Nicht nur auf Medikamente setzen

Mit Medikamenten allein ist es allerdings nicht getan: „Wir wissen inzwischen sehr gut, dass gerade chronische Schmerzen nur erfolgreich behandelt werden können, wenn psychologische Aspekte und funktionelle Therapien wie Bewegungstraining in ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept integriert werden. Dieses Prinzip gilt bis ins höchste Lebensalter“, erklärt Privatdozent Dr. med. Matthias Schuler, Experte für Alters- und Schmerzmedizin am Diakoniekrankenhaus Mannheim. Damit auch ältere Patienten mit geistigen oder motorischen Beeinträchtigungen das für sie entwickelte Therapiekonzept umsetzen können, brauchen sie die Unterstützung von Angehörigen oder Pflegepersonen. Diese sollten beispielsweise darauf achten, dass die Patienten ihre Medikamente regelmäßig und zum richtigen Zeitpunkt einnehmen. Außerdem sollten sie ihnen die Teilnahme an unverzichtbaren Therapiemaßnahmen wie Bewegungsprogrammen, regelmäßigen Kälte- oder Wärmeanwendungen und Entspannungstherapien ermöglichen.

Weitere Informationen zum Schmerz im Alter und zahlreiche praktische Tipps für den Alltag mit Schmerzen enthält eine neue Broschüre der Deutschen Seniorenliga. Der Ratgeber „Chronischer Schmerz im Alter“ kann kostenfrei auf dem Postweg, telefonisch oder im Internet angefordert werden: Deutsche Seniorenliga e.V. (DSL), Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn; www.dsl-chronische-schmerzen.de, Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).