Vielversprechender Start der Familienpflegezeit

Großes Interesse der Betriebe

Bonn, 04.06.2012 Arbeiten und zusätzlich die Eltern oder den Partner pflegen – diese Doppelbelastung muss eine wachsende Zahl von Beschäftigten stemmen. Das neue Familienpflegezeitgesetz soll für Entlastung sorgen. Der erste Eindruck fünf Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes ist vielversprechend.

Das neue Gesetz erweitert das bestehende Geflecht von Maßnahmen, die Firmen freiwillig anbieten, damit Beschäftigte Beruf und Pflege besser vereinbaren können. Einer aktuellen Umfrage* zufolge, können Beschäftigte in Deutschland in über einem Drittel der Unternehmen kurzfristig ihre Arbeit unterbrechen, um pflegebedürftige Eltern oder andere Verwandte zu betreuen. Aber auch Beratung und Information zur Pflege, Home-Office-Möglichkeiten und Unterstützung bei der Suche nach einem Pflegeplatz werden angeboten. Der wachsende Fachkräftemangel zwingt aus Sicht des Bundesverbandes der Industrie- und Handelskammer (IHK) auch kleinere Unternehmen mehr und mehr dazu, diese Verantwortung zu übernehmen, um Mitarbeiter zu halten. „Entsprechend steigt auch das Angebot der Betriebe, die neue Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen", erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga.

Seit dem 1. Januar 2012 können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Verkürzung ihrer wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden eine Pflegezeit für die Dauer von maximal zwei Jahren in Anspruch nehmen. Nicht selten mussten pflegende Angehörige bisher ihren Beruf aufgeben und riskierten den Verlust von Rentenansprüchen sowie finanzielle Einbußen während der Pflegezeit. „Die neue Familienpflegezeit verhindert dies", so Hackler: „Das neue richtungweisende Gesetz sorgt dafür, dass pflegende Angehörige nun Verantwortung für nahe Verwandte übernehmen können ohne ihre Rentenansprüche zu verlieren." Die Einbußen beim Gehalt werden über eine Lohnaufstockung aufgefangen. Auch der Erhalt der Rentenansprüche ist gesichert: Beitragszahlungen in der Familienpflegezeit sowie die Leistungen der Pflegeversicherung zur gesetzlichen Rente erhalten den Rentenanspruch.

Die Startphase macht Hackler zuversichtlich: „Wir stehen am Anfang und nicht am Ende einer Entwicklung. Das Gesetz muss aber noch bekannter werden. Deshalb haben wir Unternehmen mit einer eigenen Informationsbroschüre angesprochen – mit enormer Resonanz."

Die Seniorenliga-Broschüren „Familienpflegezeit" sowie „Familienpflegezeit – Eine Information für Unternehmen" beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema und geben wertvolle Tipps zur Entlastung pflegender Angehöriger. Gefördert werden die kostenlosen Ratgeber vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Postalische Bestellung bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn. Bestell-Hotline: 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Min).

Internet: www.deutsche-seniorenliga.de/infomaterial.html

Dort steht auch das ausfüllbare Antragsformular zur „Familienpflegezeit" als pdf-Dokument zur Verfügung.

* Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010; Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Bundesfamilienministeriums