Ältere könnten Fachkräftemangel auffangen

Potenzial von 1,2 Mio. älteren Arbeitnehmern

Bonn, 27.06.12 Das Potenzial an Erwerbspersonen in Deutschland, also der Menschen, die arbeiten können, sinkt bis zum Jahr 2025 um 6,5 Millionen – und damit auch das Angebot an Fachkräften. Schon im letzten Jahr wurde das "Konzept Fachkräftesicherung" vorgelegt, in dem die Bundesregierung vor allem auf Mütter und ältere Arbeitnehmer setzt, um Fachkräfte zu gewinnen.

„Die Bundesregierung hat mit dem Konzept die richtigen ersten Schritte getan, um dem Fachkräftemangel zu begegnen", meint Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga: „Aber jetzt gilt es, das Konzept mit Leben zu erfüllen!"

In Jahrzehnten hoher Arbeitslosigkeit hatte sich der gesellschaftliche Konsens gebildet, ältere Arbeitnehmer sollten „den Jungen Platz machen". „Dabei ist leider häufig aus dem Blick geraten, dass gerade ältere Mitarbeiter vielfältige Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen, die heute nicht ausreichend genutzt werden", so Erhard Hackler. Dabei birgt die stärkere Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer in Deutschland laut Bundesagentur für Arbeit ein Potenzial von bis zu 1,2 Mio. zusätzlichen Fachkräften bis 2025. „Insofern könnte die längere Einbindung älterer Mitarbeiter zumindest ein Teil der Problemlösung bedeuten", argumentiert Hackler.

Deshalb ist laut Hackler dringend ein Umdenken geboten: In den Industrienationen geht das Zeitalter der hohen Arbeitslosigkeit zu Ende. Unternehmen haben gar keine andere Wahl, als ihren Personalbedarf auch dadurch zu decken, dass sie ältere Angestellte so lange und so intensiv wie möglich im Arbeitsleben halten: „Ältere Mitarbeiter sind aber keine Notlösung – im Gegenteil: Sie sind in den Betrieben eine wertvolle Ressource, sofern es gelingt, ihr Wissen zu transferieren und ihre Lernfähigkeit zu erhalten." Die wichtigsten Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitskraft sind flexible Arbeitszeitmodelle, altersgerechte Arbeitsorganisation, Gesundheitsmanagement sowie Flexibilisierung von Fachkarrieren und Nachqualifizierung.

„Unsere Gesellschaft muss sich des Werts des Potenzials älterer Menschen bewusst werden und es gezielt nutzbar machen, einerseits zur Schaffung neuer Wachstumspotenziale und zur Milderung der vorhergesagten negativen Folgen des demografischen Wandels, andererseits aber auch zur Verbesserung der Lebensqualität und zum Schutz der Würde älterer Menschen", so Hackler

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung", meint Hackler. „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationen-übergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft."

Der Begriff „Aktives Altern" wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: -„Aktives Altern" ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern".*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.