Ältere Autofahrer nicht diskriminieren

Bonn, 30.08.2012 Ältere Menschen sind verantwortungsbewusste Autofahrer und bis zum 75. Lebensjahr seltener in Unfälle verwickelt als junge Leute. Dies bestätigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach das Unfallrisiko bei älteren Fahrern nur halb so hoch ist wie das der Gesamtbevölkerung. Doch trotz dieser positiven Statistik bestehen Vorurteile gegenüber der älteren Generation. Bei einer Befragung der Deutschen Versicherer (GDV) von Autofahrern zwischen 18 und 29 Jahren gaben 74 % an, dass Senioren das Auto schlechter lenken als jüngere Fahrer.

„Ältere Autofahrerinnen und Autofahrer sind meist vorsichtig und besonnen im Straßenverkehr unterwegs", erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga, die Situation. Selbstverständlich können mit zunehmendem Alter altersbedingte Defizite auftreten. „In den meisten Fällen werden diese jedoch durch die langjährige Fahrpraxis ausgeglichen", so Hackler. So wie jeder andere Verkehrsteilnehmer, egal welchen Alters, habe jeder Fahrzeuglenker die Eigenverantwortung, seine Fahrtauglichkeit gegebenenfalls mit Gesundheitstests regelmäßig zu überprüfen, so die Seniorenliga. So sollten beispielsweise Sehtests schon ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig durchgeführt werden.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt das Zentrum für Alternskulturen (ZAK) der Universität Bonn. Ältere Verkehrsteilnehmer fahren nicht schlechter als jüngere, sie fahren anders, meinen die Gerontologen vom ZAK. Die Forscher fanden heraus, dass viele Senioren ihre Fahrweise den altersbedingten Beeinträchtigungen anpassen: Sie fahren eher langsam als schnell, sie reisen tagsüber statt nachts. Gerne lassen sie ihr Auto bei schlechtem Wetter stehen. Auf diese Weise versuchen sie, gewisse Defizite zu kompensieren. Senioren sind sich ihrer Grenzen also durchaus bewusst und ziehen die notwendigen Konsequenzen. Auch wenn das bedeutet, den Autoschlüssel ganz abzugeben. „Bemerkenswert ist, dass viele ältere Kraftfahrer in realistischer Einschätzung der eigenen Fahreignung das Autofahren von sich aus begrenzen oder ganz darauf verzichten", stellte das Forscherteam fest.

Der ADAC bietet einen FahrFitnessCheck für ältere, noch regelmäßig Auto fahrende Personen an. Es ist eine Fahrprobe im eigenen Pkw mit einem speziell qualifizieren ADAC-Moderator (Fahrlehrer). Dabei soll Verbesserungspotential gefunden und aufgezeigt werden sowie ggf. über konkrete Hilfestellung gesprochen werden. Der Check ist freiwillig, eine Meldung an Behörden ist ausdrücklich ausgeschlossen. Es wird keine „Fahrtauglichkeitsexpertise" erstellt. Der „Prüfling" erhält im positiven Fall die Rückmeldung, dass die getroffen Aussagen sich lediglich auf den Zeitpunkt seiner Fahrprobe beziehen. Bei eventuellen Bedenken wird dies konstruktiv besprochen.