Mit dem Alter kommt das Glück

Europäisches Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen

Bonn, 20.09.2012 Der Jugendwahn hat uns scheinbar fest im Griff. Die Werbung ist voller fröhlicher, junger Gesichter und wer nicht mehr ganz so knackig ist, der - so verspricht die Kosmetikindustrie - kann mit bestimmten Mitteln das Alter aufhalten und somit länger glücklich bleiben. Solche Ängste suggeriert uns aber nur die Werbung, die Realität sieht anders aus: Denn tatsächlich nehmen mit dem Alter Zufriedenheit und Optimismus stetig zu.

Das besagt eine Studie der US-Ehrengesellschaft „American National Academy of Sciences". Die Ergebnisse sind verblüffend: Der Lebensgenuss schwindet demnach im frühen Erwachsenenalter, kommt aber in den späten 40er Jahren wieder zurück - um dann bei älteren Senioren seinen Höhepunkt zu erreichen.

Der Grund fürs Glück im hohen Alter: Der Druck der Verantwortung lässt nach. Kombiniert mit der erlangten Reife und der Fähigkeit, sich besser auf erfreuliche Dinge fokussieren zu können, ist der Lebensabend somit wesentlich „genießbarer" als man meinen sollte. Demnach sind die meisten Menschen im Jugendalter und ihren 20er Jahren „durchschnittlich glücklich". Dieser Zustand verschlechtert sich bis ins mittlere Alter hinein, da man ständig um das Wohlergehen der Familie sowie die Karriere bemüht sei. „Aber dann, ab Mitte 40, werden die Menschen immer fröhlicher und optimistischer, und erreichen den Höhepunkt vielleicht in ihren späten 70er oder 80er Jahren", fasst Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga die Ergebnisse zusammen. „Aber natürlich ist diese Einschätzung vom körperlichen Wohlbefinden und den Lebensumständen abhängig", so Hackler.

Entsprechend wird das positive Denken zusätzlich erhöht, wenn man im hohen Alter bei guter Gesundheit ist, über ein festes Einkommen verfügt und gute Beziehungen zur Familie und zu Freunden hat. Und noch eine frohe Botschaft hat die Studie zu verkünden: Zwar lassen gewisse Fähigkeiten - wie etwa mathematisches Können - im Alter nach. Entscheidungs- oder sprachliche Fähigkeiten allerdings verbessern sich, da unser Gehirn „ausgereift" ist. Außerdem gehen Psychologen davon aus, dass wir im hohen Alter bewusster mit unserer Zeit umgehen: Wir konzentrieren uns auf die Sachen, die Spaß machen und meiden unerfreuliche Dinge. „Bei solchen Aussichten kann das Alter ruhig kommen!" meint Hackler.

Hintergrund

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung", meint Hackler. „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationen-übergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft."

Der Begriff „Aktives Altern" wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: -„Aktives Altern" ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern".*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.