Deutschland hat älteste Bevölkerung Europas - fühlt sich insgesamt aber deutlich jünger

Neue Studienergebnisse zu älteren Menschen

Bonn, 24.10.2012 Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung führen dazu, dass Deutschland nach Japan die zweitälteste Bevölkerung weltweit hat. Im Europäischen Vergleich ist Deutschlands Bevölkerung sogar die älteste. Das geht aus dem aktuellen "Statistischen Jahrbuch 2012″ des statistischen Bundesamtes hervor.

Dabei fühlen sich ältere Menschen in Deutschland deutlich jünger, als sie tatsächlich sind: Die 60- bis 75-Jährigen um durchschnittlich acht Jahre, die Über-75-Jährigen sogar um zehn Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Laut der Untersuchung sind 70 % der heutigen Rentner froh, im Ruhestand zu sein. Von den Menschen, denen der Ruhestand noch bevorsteht, können sich das nur 38 % vorstellen.

„Die Menschen in Deutschland werden älter, bleiben gesünder und sind vor allem deutlich unternehmungslustiger und aktiver als früher", meint auch Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn: Viele der „Alten" seien als Business-Angel, Blogger, Entwicklungshelfer, Streetworker oder Leihomas bis ins hohe Alter aktiv.

Diese positive Grundeinstellung wird durch eine weitere Studie bestätigt, der zufolge gesunde Senioren weniger zum Grübeln neigen und sie mit ihrem Leben insgesamt zufriedener sind als junge Menschen. Wie die Forscher feststellten, wird die Lebenszufriedenheit von Grübeleien in der Tat negativ beeinflusst. Umfrageteilnehmer im Alter von 63 Jahren oder mehr berichteten von deutlich weniger negativen Gedanken als andere, insbesondere als junge Erwachsene.

Wie aktiv ältere Menschen heute sind, zeigt auch der eigene Freundes- und Bekanntenkreis. 69 % der Bevölkerung zählen dazu deutlich ältere Menschen. Wie der Blick auf zurückliegende Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt, hat der Kontakt zwischen Jüngeren und Älteren in den vergangenen Jahren sogar tendenziell zugenommen. „Viele Ältere wollen noch einmal etwas Neues anfangen, möchten mitgestalten und mit ihrer reichen Lebenserfahrung etwas bewegen. Wenn wir sie in ihren Vorhaben unterstützen, ist das ein Gewinn für unsere ganze Gesellschaft", so Hackler.

Hintergrund

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung", meint Hackler. „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationen-übergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft."

Der Begriff „Aktives Altern" wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: -„Aktives Altern" ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern".*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.