Pflegefall - was nun?

„Rundumversorgung“ auch zu Hause möglich

Bonn, 18.02.13 Die meisten älteren Menschen möchten auch bei Pflegebedürftigkeit zu Hause leben und nicht im Altenheim. Was sich anfangs mit Nachbarschaftshilfe, Essen auf Rädern und ambulanten Pflegebesuchen noch bewerkstelligen lässt, wird jedoch zum Problem, wenn die Pflegebedürftigkeit zunimmt und eine Betreuung rund um die Uhr notwendig wird.

„Die Situation wird oft dadurch verschärft, dass die Kinder voll berufstätig sind, kaum Zeit haben und mit der plötzlichen Pflegesituation überfordert sind", so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. In solchen Fällen ist guter Rat teuer: Der Info-Flyer „Pflegefall – was nun?" übernimmt bei den Überlegungen, wie eine sinnvolle Pflege der Angehörigen aussehen könnte, eine Art Lotsenfunktion zu den bundesweiten Informationsangeboten.

Eine 24-Stunden-Pflege durch einen deutschen Pflegedienst können sich nur wenige leisten. Man müsste dafür mehrere Personen einsetzen und würde nach Angaben von Stiftung Warentest bis zu 10.000 Euro zahlen. Einer Studie der Caritas zufolge sind hierzulande auch aus diesem Grund rund 100.000 Pflegerinnen und Pfleger aus Mittel- und Osteuropa in der privaten Altenbetreuung tätig. Sie berechnen nur einen Bruchteil der hierzulande üblichen Sätze. Das Gehalt muss deutschen Tarifen entsprechen und zusätzlich sind Sozialversicherungsbeiträge zu leisten.

Wegen der komplizierten Abwicklung nehmen viele einen Vermittlungsdienst für die Beschäftigung einer ausländischen Pflegekraft in Anspruch. Die Tätigkeiten umfassen sowohl die Pflege als auch die Hilfe im Haushalt. Grundlage ist die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU, die es beispielsweise polnischen Pflegediensten ermöglicht, Personal nach Deutschland zu „entsenden". Die deutschen Familien sind in diesen Fällen Auftraggeber und nicht Arbeitgeber. Die Betreuungskräfte wohnen in der Regel mit dem Pflegebedürftigen unter einem Dach. Rechtlich in Ordnung ist das Verfahren nur, wenn die Bundesagentur für Arbeit eine „Verleiherlaubnis" ausstellt und die Haushaltshilfe die Bescheinigung A1 vom ausländischen Sozialversicherungsträger vorweisen kann. Man schließt zwei Verträge: mit der deutschen Vermittlungsagentur und mit der ausländischen Firma. „Neben diesen formalen Voraussetzungen ist es jedoch wichtig, dass die Betreuungsperson nicht nur kompetent und zuverlässig ist, sondern auch menschlich gut passt", so Erhard Hackler.

Info-Flyer gibt umfassenden Überblick

Wenn es um Pflege und insbesondere deren Finanzierung geht, gibt es offenbar großen Beratungsbedarf: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um einen Anspruch auf Pflegeleistungen zu rechtfertigen? Welche Leistungen übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung? Welche Hilfsleistungen gibt es überhaupt? Der Leitfaden „Pflegefall – was nun?" zeigt auf, welche Stellen weiterhelfen. Er kann kostenlos bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn bestellt werden. Hotline: 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Min). Internet: www.deutsche-seniorenliga.de/infomaterial.html