Alter wird als Makel, nicht als Chance gesehen

Jeder Zweite sieht die Überalterung der Gesellschaften als Problem - „Unser Altersbild muss sich ändern!“

Bonn, 07.02.2014 Sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung führen dazu, dass die Weltbevölkerung immer älter wird. Bis 2050 wird sich der Anteil der über 60-Jährigen weltweit verdreifachen – von heute 700 Millionen auf über 2 Milliarden. Bei einer weltweit durchgeführten Studie* wurde nun festgestellt, dass über die Hälfte der Befragten das Überaltern als herausragendes Problem des jeweiligen Landes ansieht.

In der vom Pew Research Center* in 21 Ländern durchgeführten Befragung wurden unterschiedliche Einschätzungen deutlich. So gibt es in Deutschland (55%), Spanien (52%) und vor allem in Japan (87%), eine deutlich pessimistischere Einstellung hinsichtlich der Alterung der Gesellschaft als beispielsweise in den USA (26%). Dort sieht lediglich jeder Vierte darin ein Problem. Indonesien (25%) und Ägypten (23%) stehen der Problematik eher entspannt gegenüber.

Die Studie zeigt auch, dass in den meisten Ländern die Sorge proportional mit der jeweils prognostizierten Überalterung der Gesellschaft steigt. Zudem ist offensichtlich, dass die über 50-Jährigen hinsichtlich der demografischen Entwicklung deutlich pessimistischer sind als Jüngere. Demgegenüber ist die Einschätzung der eigenen Situation im Alter optimistisch. So sind in Deutschland mehr als die Hälfte der Befragten (60%) überzeugt, ihren Lebensstandard im Alter halten zu können. Dies gilt für die 18 bis 49-Jährigen (53%), insbesondere jedoch für die über 50-Jährigen (68%).

Deutschland hat im europäischen Vergleich die älteste und weltweit nach Japan die zweitälteste Bevölkerung. Bis zum Jahre 2050 wird sich der Anteil der über 65-Jährigen von 20,8 Prozent auf 32,7 Prozent weiter drastisch erhöhen. „Umso mehr sollte der demografische Wandel in einem positiven Sinn als Herausforderung und Chance und weniger als Problem gesehen werden", meint Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. Dazu sei es dringend notwendig, das vorherrschende traditionelle Altersbild eines eher abhängigen und schutzbedürftigen Menschen der Realität anzupassen, meint Hackler: „Zunächst ist es wichtig, das homogene, starre Altersbild aufzubrechen, weil Alter sehr verschiedenartig ist. So gibt es neben der Gruppe pflegebedürftiger Menschen eben auch diejenigen, die bis ins hohe Alter verhältnismäßig gesund und aktiv sind. Nur mit einem differenzierten Altersbild im Kopf werden wir – Politik, Medien, Industrie und Handel, und nicht zuletzt der Bereich medizinischer Fürsorge und Versorgung – den gesellschaftlichen Wandel bestehen. Wir tragen eine große Verantwortung auch für die nachwachsenden Generationen."

* Attitudes about Aging: A Global Perspective; January, 2014; Pew Research Center, Washington D.C.; www.pewresearch.org

Die Ergebnisse der Studie zum Nachlesen: Attitudes about Aging: A Global Perspective