Senioren werden bei Wahlen immer wichtiger

Pressegespräch am 27.05.2013 in Berlin zum demografischen Wandel

Bonn, 20.06.2013 Bereits heute sind 20% der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Und in den beiden kommenden Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen nochmals deutlich steigen. Im Jahr 2060 wird dann jeder Dritte mindestens 65 Lebensjahre alt sein – jeder Siebente wird sogar über 80 Jahre alt sein. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, ob und wenn ja welche Folgen der demografische Wandel für die politische Wählerlandschaft in Deutschland hat.

Robert G. Romasco, Präsident der führenden amerikanischen Seniorenorganisation AARP (American Associaton of Retired Persons), und Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Seniorenliga, hatten Ende Mai zu einem Pressegespräch nach Berlin geladen, um mit Journalisten über altersspezifische politische Interessen und Einstellungen und dadurch bedingtes Wahlverhalten zu diskutieren.

„Ältere Menschen und deren Anliegen werden bei Wahlen immer wichtiger. Folglich müssten seniorenspezifische Themen wie die Alterssicherung oder die Gesundheitsversorgung in Zukunft deutlich konkreter angesprochen werden", resümiert Hackler. Dass dies nicht nur die Perspektive in Deutschland ist, zeigt der Blick über den großen Teich: Bei den letzten beiden US-Wahlen befürchtete Barack Obama zunächst, die älteren Wähler nicht zu erreichen. Sein Glück war jedoch, dass er mit dieser Einschätzung gründlich daneben lag. Dies verdeutlicht eine Analyse, die von der AARP* herausgegeben wurde. Danach haben über 25 Millionen Amerikaner über 50 Jahren ihre Stimme Obama gegeben und damit maßgeblich zu dessen Wahlsiegen beigetragen. „Dieses Ergebnis verdeutlicht den enormen Einfluss, den die ältere Bevölkerung auf den Wahlausgang in Amerika hatte", erläuterte Romasco die Analyse der AARP.

Dennoch: Über Konsequenzen für das eigene wahlkämpferische Vorgehen, eine gezielte Ansprache älterer Wähler etwa, hält man sich bei allen Parteien eher dezent zurück. „Perspektivisch müssen sich die Parteien darüber jedoch Gedanken machen", so Hackler. Denn viele Seniorinnen und Senioren wünschen sich, dass ihre Interessen besser vertreten werden. Das belegen zahlreiche Befragungen. Insgesamt, auch das zeigt eine aktuelle Erhebung**, geht es den meisten Älteren dabei um das Gesamtwohl unserer Gesellschaft. Danach gefragt, was sie von der Bundesregierung erwarten, standen die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die Verringerung der Staatsverschuldung, die Förderung von Familien mit Kindern sowie die Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit ganz oben auf der Liste der wichtigsten Aufgaben. Jetzt und in Zukunft, darin war man sich zum Abschluss des Gesprächs einig, wird erfolgreiche Politik das Miteinander der Generationen fördern. Um Wahlen zu gewinnen, braucht es die Solidarität der Generationen.

* Erstellt auf Basis des CNN exit polls.
** Generali Altersstudie 2013 – Wie ältere Menschen leben, denken und sich engagieren.