Demografischer Wandel: Entscheiden Senioren künftig Wahlen?

Pressegespräch am 27.05.2013 in Berlin

Bonn, 22.05.2013 Der demografische Wandel macht's möglich: Wenn in wenigen Jahren die Älteren die Mehrheit stellen, dann zeigen sie ihre Stärken, und zwar da, wo sie aufgrund hoher Wahlbeteiligung schon immer stark waren – an der Wahlurne. Eine Entwicklung, die kaum einem Wahlstrategen entgangen sein dürfte. Doch über Konsequenzen für das eigene wahlkämpferische Vorgehen, gezielte Ansprache älterer Wähler etwa, hält man sich bei allen Parteien dezent zurück.

Perspektivisch müssen sich die Parteien darüber jedoch Gedanken machen. Das zeigt ein Blick über den großen Teich: Bei den letzten beiden US-Wahlen befürchtete Barack Obama zunächst, die älteren Wähler nicht zu erreichen. Sein Glück war jedoch, dass er mit dieser Einschätzung gründlich daneben lag. Dies verdeutlicht eine Analyse, die von der weltgrößten, amerikanischen Seniorenorganisation AARP* herausgegeben wurde. Danach haben über 25 Millionen Amerikaner über 50 Jahren ihre Stimme Obama gegeben und damit maßgeblich zu dessen Wahlsiegen beigetragen. „Dieses Ergebnis verdeutlicht den enormen Einfluss, den die ältere Bevölkerung auf den Wahlausgang in Amerika hatte", erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga, die Analyse der AARP.

Auch in Deutschland stehen immer weniger jüngere Wahlberechtigte einer zunehmenden Zahl älterer gegenüber. Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl sollte laut Hackler das Augenmerk auch der hiesigen Parteien in besonderem Maße auf die Wähler über 50 Jahren gerichtet sein. Dabei hat sich das politische Einflusspotenzial der älteren Wahlberechtigten nicht nur rein quantitativ spürbar erhöht. „Mehr denn je bietet sich den älteren Menschen in Deutschland die Gelegenheit, sich bei Wahlen angemessen Gehör zu verschaffen und sich so mit ihren Interessen und Ansprüchen einzubringen", so Hackler.

* Erstellt auf Basis des CNN exit polls.

Hintergrund

Die AARP mit Sitz in Washington D.C. ist eine US-amerikanische gemeinnützige und unabhängige Mitgliederorganisation und mit 37 Mio. Einzelmitgliedern der größte Seniorenverband der Welt. Die AARP unterstützt die Menschen ab einem Alter von 50 Jahren in ihrer Unabhängigkeit sowie in ihrer Wahl- und Entscheidungsfreiheit.

Die Organisation hilft Menschen, ihre Ziele und Träume zu verwirklichen, stärkt Gemeinden und kämpft für die Lösung der Probleme, die die meisten Familien in den USA beschäftigen, wie z. B. Gesundheitsversorgung, Beschäftigung und Verbraucherschutz. Diese Arbeit erfolgt über die Zentrale sowie zusätzlich über Büros in allen Bundesstaaten der USA, in Puerto Rico und den US Virgin Islands. AARP unterstützt keine Bewerber für öffentliche Ämter und leistet keine Beiträge an politische Parteien oder Kandidaten.

Seit 1993 verleiht die Deutsche Seniorenliga e.V. als Interessengemeinschaft und im Verbund mit starken Partnern dem Wunsch älterer Menschen nach sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Partizipation konsequent und richtungweisend eine klare Stimme. Aufgrund des Vereinszwecks, der „Entwicklung, Förderung und Verwirklichung von Projekten und Maßnahmen, die dazu bestimmt und geeignet sind, sowohl die individuelle Lebensqualität älterer Menschen als auch deren gesamtgesellschaftliche Anliegen und Optionen als geachtete, gleichberechtigte und selbstbestimmte Mitbürgerinnen und Mitbürger zu wahren, zu stärken und durchzusetzen", ist die Deutsche Seniorenliga seit 1994 als gemeinnützig anerkannt.

Seit 2007 gibt es einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch der beiden Organisationen mit dem Ziel, „globale" Probleme zu diskutieren wie auch nationale Lösungen zu prüfen und zu adaptieren.