Pflege und Beruf besser miteinander vereinbaren

Neue Broschüre der Seniorenliga zur „Familienpflegezeit“

Bonn, 21.11.2011 Mehr als 1,6 Millionen Menschen werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Für die Betroffenen oft ein großes Stück Lebensqualität. Für die pflegenden Angehörigen jedoch ist die Belastung hoch, insbesondere wenn sie noch im Berufsleben stehen. Das soll sich jetzt ändern.

2012 wird die sogenannte „Familienpflegezeit“ eingeführt. Sie soll die Vereinbarkeit der Pflege Angehöriger mit der eigenen Berufstätigkeit verbessern. Die neue Seniorenliga-Broschüre „Familienpflegezeit“ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema und gibt wertvolle Tipps zur Entlastung pflegender Angehöriger. Gefördert wird der kostenlose Ratgeber vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Ab dem kommenden Jahr sollen Arbeitnehmer, die ihre Angehörigen pflegen, ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduzieren können. Dadurch kann beispielsweise ein Vollzeitbeschäftigter seine Arbeitszeit in der Pflegephase von 100 auf 50 Prozent reduzieren, und das bei einem Gehalt von in diesem Fall 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Zum Ausgleich muss er später wieder voll arbeiten, bekommt in diesem Fall aber weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts – so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.

„Die Menschen werden immer älter und die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den kommenden Jahren drastisch ansteigen", so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga: „Mit der Familienpflegezeit wird der Herausforderung des demografischen Wandels begegnet: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben jetzt die Möglichkeit, sich auch über einen längeren Zeitraum um die Pflege von Angehörigen in der häuslichen Umgebung zu kümmern, und das ohne finanzielle Einbußen oder der Gefahr, ihren Job aufgeben zu müssen."

Der Ratgeber „Familienpflegezeit“ zeigt auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Familienpflegezeit nutzen zu können. Er informiert auch über ergänzende Angebote zur Entlastung und finanziellen Unterstützung für pflegende Angehörige. Postalische Bestellung bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn. Bestell-Hotline: 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Min).

Hintergrund

In Deutschland erhalten ca. 2,5 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Es sind mehr als 1,6 Millionen Menschen, die zu Hause gepflegt und versorgt werden, und zwar durch Angehörige und ambulante Pflegedienste. 65 Prozent der Berufstätigen wollen ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen; bisher treffen sie hier auf schwerwiegende Probleme. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums lassen sich für 79 Prozent der Befragten Beruf und Pflege schlecht vereinbaren. Durch die neue Familienpflegezeit soll sich dies ändern.