Mit passender Alzheimertherapie länger selbstständig

Bonn, 14.10.2011 Die Alzheimererkrankung ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht heilbar. Dennoch lohnt es sich, gezielt Medikamente einzusetzen. Dabei geht es nicht darum, die Lebenszeit und damit das Leiden des Kranken zu verlängern. Vielmehr ermöglicht eine passende Therapie, dass Alzheimerpatienten länger selbstständig und in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Unter den Alzheimermedikamenten gibt es keine Wundermittel. Keiner der derzeit gängigen Wirkstoffe kann die gefürchtete Erkrankung heilen oder langfristig aufhalten. Dennoch ist es sinnvoll, spezielle Demenz-Medikamente (Antidementiva) einzusetzen, die das Fortschreiten des geistigen Abbaus verlangsamen. „Wenn ein Mensch trotz seiner Erkrankung ein oder zwei Jahre länger allein einkaufen, sich selbstständig anziehen oder die Namen der Nachbarn und Freunde besser behalten kann, ist das für ihn ein großer Gewinn“, bemerkt Professor Giso Deussen, Vorsitzender der Deutschen Seniorenliga. Auch die Angehörigen profitieren davon, denn ein Patient, der vieles noch allein bewältigen kann, braucht weniger Pflege und kann länger in seiner gewohnten Umgebung bleiben. Dennoch erhalten Untersuchungen zufolge nur rund 30 Prozent der von Hausärzten betreuten Alzheimerpatienten eine Therapie mit Antidementiva.

Besser gezielt behandeln als nur ruhig stellen

Antidementiva verbessern vor allem das Gedächtnis, das Orientierungsvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Handlungen wie das Zähneputzen zu bewältigen. Überdies mildern sie für Alzheimer typische Verhaltensauffälligkeiten wie Angst, Unruhe und Aggressivität. So erübrigt sich in vielen Fällen der Einsatz von Psychopharmaka und Beruhigungsmitteln. Diese sind bei der Behandlung von Alzheimerpatienten verbreitet, aber umstritten, weil sie bei alten Menschen die Gefahr für Schlaganfälle und das Sterberisiko erhöhen1.

Für die Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz empfehlen Experten in den offiziellen Behandlungsleitlinien so genannte Acetylcholinesterasehemmer¹, für die moderate bis schwere Alzheimerdemenz den Wirkstoff Memantine². Beide Substanzgruppen wurden in ihrer Wirksamkeit vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aufgrund aktueller Daten³ bestätigt.

Informationen für Alzheimerkranke und ihre Angehörigen bietet die Deutsche Seniorenliga kostenlos an: Die Broschüre „Alzheimer erkennen“ erklärt, wie sich eine Alzheimererkrankung bemerkbar macht und wie es für die Familie weitergeht, wenn die Diagnose gestellt wurde. Bestelladresse: Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn oder hier.

Quellen:

¹ Z. Gerontopsychol. psychiatr. 22 (1) © 2009 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

² S3-Leitlinie Demenzen 2009, AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., http://www.awmf.org/leitlinien.html

³ Bewertung durch das Institut für Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2011, https://www.iqwig.de/download/A10-06_Rapid-Report_Responderanalysen_zu_Memantin_bei_Alzheimer_Demenz.pdf