Lebenslanges Lernen

Wissen muss verwertbar sein

Bonn, 19.05.2011 In der Diskussion um den demografischen Wandel wird dem lebenslangen Lernen ein wichtiger Stellenwert beigemessen. Einerseits trägt dies aus der Sicht der Unternehmen dazu bei, den zukünftigen Fachkräftebedarf durch die Weiterbildung der Beschäftigten aufzufangen. Andererseits bedeutet Lebenslanges Lernen für die Beschäftigten, dass sie ihre qualifizierte Beschäftigungsfähigkeit bis zum vorgesehenen Rentenalter und darüber hinaus erhalten können.

Durch den demografischen Wandel sind die Unternehmen nach Ansicht von Dr. Uwe Kleinemas, Alternsforscher an der Universität Bonn, gezwungen, mit ihren Belegschaften tragfähige Konzepte für lebenslanges Lernen zu entwickeln: „Nur so bleibt die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens langfristig erhalten. Qualifizierte ältere Arbeitnehmer werden gebunden und das Unternehmen erzielt, auch im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel, einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.“ Die Belegschaften der Zukunft werden altersgemischt sein. „Deshalb ist es an der Zeit, tragfähige Modelle für altersgemischte Gruppen zu entwickeln und ältere Arbeitnehmer an dieser Entwicklung zu beteiligen“, so Kleinemas.

Das Konzept des Lebenslangen Lernens hat nach Ansicht von Kleinemas für den Arbeitnehmer aber nur dann eine positive Bedeutung, wenn sich daraus auch tatsächlich Perspektiven ergeben. Kleinemas stellt in diesem Zusammenhang die wichtige Frage nach dem „Wozu?“: „Lebenslanges Lernen dient nicht als Selbstzweck und Hobbyismus, es muss der Sinnstiftung dienen und dazu beitragen, existenzielle Fragen – wie zum Beispiel: Wozu bin ich da? Wer braucht mich? – zu beantworten. Nur die Fortbildung, die de facto verwertbar ist, vermittelt auf psychologischer Ebene mit der neu erlangten Kompetenz einen Motivationsschub. Wenn sich trotz der Teilnahme an solchen Förderungsmaßnahmen nichts an der Lebenssituation verändert, wird der an sich positive Effekt des Lebenslangen Lernens entwertet.“

Studien haben gezeigt, dass wesentliche Ursachen dafür, dass ältere Menschen den Arbeitsmarkt früh verlassen, neben unzureichenden qualifizierenden Weiterbildungsmaßnahmen eine angegriffene Gesundheit sowie belastende Arbeitsbedingungen sind. Vor diesem Hintergrund wird auch aktives betriebliches Gesundheitsmanagement zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit gerade älterer Mitarbeiter immer wichtiger.

Wer seine Personalentwicklung kontrolliert und strategisch steuert, kann reagieren und mit Erfolg gegensteuern. In den Betrieben, in denen darauf geachtet wird, dass erfahrene Mitarbeiter sich mit jungen, dynamischen Kräften ergänzen, ist der Mangel an geeignetem Personal beherrschbar. Nachwuchsgewinnung, Arbeitszeitgestaltung, Personaleinsatz oder Know-how-Erhalt rücken in den Fokus des betrieblichen Personalmanagement. Mit den richtigen Maßnahmen haben Unternehmen alle Möglichkeiten, die Entwicklung positiv zu beeinflussen. Vor diesem Hintergrund bietet die Deutsche Seniorenliga im Internet die erste kostenlose Belegschaftsanalyse an. Sie soll Unternehmen ermöglichen, ihre Personalstrukturentwicklung aktiv auf den demografischen Wandel einzustellen.

Nähere Informationen erhalten interessierte Unternehmen im Internet unter www.belegschaftsanalyse.de oder bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn.

Hintergrund

Die Belegschaftsanalyse erstellt für jedes Unternehmen einen individuellen Bericht auf Basis der Belegschaftsdaten. Neben Anzahl und Alter der Mitarbeiter werden Maßnahmen und Angebote des Unternehmens in den Bereichen Wissenstransfer,  gesundheitliche und finanzielle Leistungen, Arbeitsplatzanpassung sowie zum Arbeitsumfeld erfasst. Darüber hinaus werden auch flexible Arbeitszeitangebote und hieraus resultierende Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten beleuchtet. Schließlich werden auch eventuelle Planungen neuer Stellen sowie die Rekrutierung neuer Mitarbeiter aufgenommen. Die Daten der Unternehmen werden gespeichert und können bei Bedarf aktualisiert werden. Die Analyse soll primär die Bewusstseinsbildung insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen fördern. Der Bericht dient aber auch der spezifischen Analyse, welche möglichen Auswirkungen eine alternde Belegschaft auf das jeweilige Unternehmen hat und zeigt Handlungsempfehlungen auf, wie ein altersgerechtes Arbeitsumfeld im Rahmen einer wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmensstruktur geschaffen werden kann.