Wenn Autofahrer demenzkrank werden: Fahreignung prüfen

Bonn, 10.05.2011 Viele ältere Menschen sind noch in der Lage, sicher Auto zu fahren. Anders bei fortschreitender Demenz: Die Betroffenen büßen nach und nach Gedächtnis, Orientierungsfähigkeit sowie Urteilsvermögen ein – und damit ihre Fahreignung. Viele Demenzkranke verkennen jedoch den eigenen Krankheitszustand und gestehen sich die nachlassende Fahrtüchtigkeit nicht ein. Angehörige sollten in dieser Situation bestimmt, aber einfühlsam vorgehen und den Hausarzt in die Beurteilung einbeziehen.

Demenzerkrankungen wie die Alzheimerkrankheit beginnen schleichend und machen sich zunächst kaum bemerkbar. So fallen auch Autofahrer mit einer beginnenden Demenz nicht unbedingt durch ein unsicheres Fahrverhalten auf. Wenn sich ein routinierter Autofahrer jedoch selbst in bekannter Umgebung verirrt, häufig Verkehrsschilder missachtet und Beinahe-Unfälle verursacht, sollte die Familie aktiv werden und das Thema Autofahren ansprechen. „Wichtig ist es, behutsam vorzugehen und das entsprechende Familienmitglied keinesfalls direkt mit Fahrfehlern zu konfrontieren“, rät Dr. Uwe Kleinemas, Zentrum für Alternskulturen, Universität Bonn und Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Seniorenliga. „Besser ist es, zunächst seine Sorge um die Sicherheit des Betroffenen zu äußern und einen allgemeinen Gesundheitscheck beim Hausarzt anzuregen.“ Dieser kann den Patienten bei Bedarf an eine neurologische oder psychiatrische Fachambulanz oder eine Memory-Klinik überweisen, wo spezielle Untersuchungen zur Fahrtüchtigkeit durchgeführt werden.

Hausarzt oder Freund sind oft die besseren Ratgeber

Ein typisches Merkmal von Demenzerkrankungen ist eine mangelnde Krankheitseinsicht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen vertrauten Dritten wie etwa den Hausarzt oder einen guten Freund um Unterstützung zu bitten. Viele Senioren sind eher bereit, den Rat von Außenstehenden anzunehmen als den ihrer Kinder oder des Ehepartners. Dennoch kratzt es bei den meisten Menschen – krank oder gesund – am Selbstwertgefühl, die Fahrerlaubnis abzugeben. „Daher ist es oftmals besser, dem Betroffenen den Führerschein zu lassen und gleichzeitig sicherzustellen, dass er nicht mehr fährt“, empfiehlt Kleinemas. „So kann der ältere Mensch sich und andere im Straßenverkehr nicht mehr gefährden und hat dennoch das gute Gefühl, zumindest theoretisch zum Kreis der Autofahrer zu gehören.“

Das Autofahren überflüssig machen

Der beste Weg, ein Familienmitglied vom Autofahren abzubringen ist es, attraktive Alternativen anzubieten. So können Ehepartner oder Kinder ihren Angehörigen zum Einkaufen oder zu Freizeitaktivitäten fahren, mit ihm gemeinsam öffentliche Verkehrsmittel benutzen und nach Angeboten von Wohlfahrtsverbänden oder Kirchengemeinden Ausschau halten. Mitunter kommt es allerdings vor, dass Demenzkranke einfach vergessen, dass sie nicht fahren dürfen und darauf bestehen, sich ans Steuer zu setzen. Dann ist es sinnvoll, das Auto außer Sichtweite zu parken und den Kranken bei Bedarf von seinem Vorhaben abzulenken. Drastische Maßnahmen, wie etwa die Autoschlüssel auszutauschen oder das Auto durch eine Wegfahrsperre zu sichern, können den Betroffenen in seiner Würde verletzen und sollten nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Eine der häufigsten Demenzformen ist die Alzheimererkrankung. Welche Anzeichen auf die Erkrankung hindeuten, wie sie verläuft und wie es nach der Diagnose weitergeht, erklärt die Broschüre „Alzheimer erkennen“, angeboten von der Deutschen Seniorenliga. Die Broschüre ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet bestellt werden: Deutsche Seniorenliga e.V., Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn, www.dsl-alzheimer.de.