Gute Vorbereitung verhindert Pensionsschock

Alternsforscher Dr. Uwe Kleinemas: „Es gibt ein Leben neben dem Beruf!“

Bonn, 10.05.2011 Nach dem Erwerbsleben fallen viele Menschen in ein Loch. Gerade diejenigen, die im Beruf sehr aktiv waren und Arbeit und Familie unter einen Hut bringen mussten, haben oft Schwierigkeiten mit dem „plötzlichen“ Ruhestand.

Zumeist schlecht oder gar nicht vorbereitet, müssen sie sich von jahrelang eingefahrenen Strukturen verabschieden. Mühsam muss erlernt werden, mit der neu gewonnenen Freizeit umzugehen. Wer jedoch frühzeitig sein Leben nach dem Beruf plant, kann die letzte Lebensphase gelassen angehen und vermeidet Langeweile und depressive Stimmung.

Viele Berufstätige malen sich das Rentnerdasein rosig aus: Endlich Zeit für Reisen, Haus und Garten, Sport und Enkelkinder! Doch die Wirklichkeit sieht meist anders aus, erläutert Psychologe Dr. Uwe Kleinemas, Alternsforscher an der Universität Bonn: „Gerade beruflich besonders Engagierte fallen in eine Sinnkrise. Anfangs wird der Ruhestand noch wie eine verlängerte Urlaubszeit empfunden, aber spätestens nach einem halben Jahr wird man auf ganz existenzielle Fragen zurückgeworfen: Wer braucht mich und wozu bin ich da?“

Die Gründe liegen hauptsächlich in der fehlenden Vorbereitung noch während des Berufslebens. Über die Finanzen im Ruhestand macht sich fast jeder Gedanken, über das Leben im Ruhestand nicht, so Kleinemas: „Meist haben die Betroffenen ihr gesamtes soziales Umfeld im beruflichen Bereich angesiedelt. Plötzlich fällt alles weg, auch Lob und Anerkennung. Die Ruheständler haben verlernt, neue Quellen der Bestätigung aufzutun und sind wie paralysiert.“

Dabei bietet die neue Situation zahlreiche Chancen, sich neu zu erfinden, andere Lebensinhalte aufzubauen, die Partnerschaft zu beleben oder brach liegenden Interessen nachzugehen. „Die Basis hierfür muss aber schon vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben geschaffen werden. Wer neben dem Beruf Interessen und Leidenschaften pflegt, wird dazu im Ruhestand noch stärker kommen. Hierzu sollte auch ein gut funktionierendes soziales Netzwerk außerhalb des Berufes zählen“, rät Kleinemas.

Die entscheidenden Fragen lauten: Wo stehe ich und wie soll meine Zukunft sein? Forschungsergebnisse belegen, dass die Lebensqualität stark davon abhängt, wie man seine Kompetenzen auch nach dem Erwerbsleben einzusetzen vermag. Eine immens wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist deshalb laut Kleinemas, ob man die im Berufsleben erworbenen Fähigkeiten an anderer Stelle einbringen will.

Eine Möglichkeit der sinnvollen Beschäftigung ist die Mitarbeit in Vereinen, Hilfsorganisationen oder gemeinnützigen Vereinigungen. Die Bundesregierung fördert seit Jahren verschiedene Formen des freiwilligen Engagements. Das Ehrenamt ist ein großer Hoffnungsträger in unserer Gesellschaft, zumal ein großes Potenzial körperlicher und geistiger Fähigkeiten sowie beruflicher Sachkompetenz zur Verfügung steht, erläutert Kleinemas: „Momentan jedoch gibt es für Menschen mit hohem Potenzial im ehrenamtlichen Bereich nicht ausreichend adäquate Betätigungsfelder. Um die Erwartungen und Hoffnungen zu erfüllen, muss das klassische Ehrenamt sowohl quantitativ und insbesondere auch qualitativ weiterentwickelt werden!“ Hierzu sind insbesondere Entscheidungsbeteiligung, Weiterbildung und Selbstständigkeit notwendig. „Das stetig steigende bürgerschaftliche Engagement älterer Menschen, die bereit sind, auch Verantwortung zu übernehmen, darf nicht vergeudet werden“, so Kleinemas.

Die neue kostenlose Broschüre „Mitten im Leben – auch nach dem Beruf“ enthält Kontaktadressen von Freiwilligenagenturen, die Ideen, Informationen und konkrete Angebote aufzeigen. Bestelladresse: Deutsche Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn oder hier.

Zum 1. Juli 2011 startet der neue Bundesfreiwilligendienst des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Er steht ebenso allen Altersgruppen offen, einschließlich älterer Menschen, wie das Programm „Freiwilligendienste aller Generationen“: www.bmfsfj.de