Unerkannte Herzrhythmusstörungen: Grund für Stürze?

Deutsche Seniorenliga unterstützt Studie zum routinemäßigen Herz-Check bei älteren Sturzpatienten

Bonn, 05.04.2011 Wenn alte Menschen stürzen, kommt es oftmals zu Knochenbrüchen. Die unfallchirurgische Behandlung und die Sorge, ob der Patient seine Mobilität wiedererlangt, stehen dann im Vordergrund. Ungeklärt bleibt jedoch häufig die Ursache für den Sturz. Dabei wären weitergehende Untersuchungen wichtig, um erneutes Fallen zu verhindern. Dazu gehört beispielsweise ein routinemäßiger Herz-Check.

So könnten bis dahin unerkannte Herzrhythmusstörungen aufgedeckt werden – eine möglicherweise unterschätzte Ursache für Stürze. Eine Studie soll diesen Zusammenhang klären.

Ein Sturz kann für einen alten Menschen alles verändern: Nach dem Unfall fühlen sich viele Betroffene unsicher, vermeiden es zu laufen, ziehen sich zurück und werden nicht selten zum Pflegefall. Damit ein alter Mensch so lange wie möglich selbstständig und mobil bleibt, ist es wichtig, Stürzen vorzubeugen. Dazu gehört es beispielsweise, Sehstörungen oder Schwindel zu behandeln, Gehhilfen zu verwenden und Stolperfallen in der Wohnung zu beseitigen. Experten vermuten jedoch, dass nicht selten auch unerkanntes Vorhofflimmern – eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen – zu Stürzen führt. „Vorhofflimmern kann Herzrasen, Kreislaufprobleme, Durchblutungsstörungen bis hin zum Schlaganfall und kurzzeitige Ohnmachten verursachen. Ein Sturz ist dann, vor allem bei alten Menschen, geradezu vorprogrammiert“, erklärt Professor Dr. Thorsten Lewalter, Facharzt für innere Medizin und Herzerkrankungen, Universität Bonn. Aus eigener Beobachtung des Klinikalltags weiß Lewalter, dass dieser Zusammenhang nicht routinemäßig untersucht wird. „Es kommt immer wieder vor, dass Patienten ein weiteres Mal wegen eines Sturzes eingeliefert werden, weil die Ursache nicht untersucht und behandelt wurde.“

Eine Studie, bei der ältere Sturzpatienten routinemäßig auf Herzrhythmusstörungen untersucht werden, könnte diese Situation verbessern. Sollten die Studienergebnisse auf einen Zusammenhang zwischen Herzrhythmusstörungen und Stürzen hinweisen, so könnte der Herz-Check in den Katalog der Standarduntersuchungen für gestürzte Senioren aufgenommen werden. Lewalter: „Auf diese Weise könnten unerkannte Herzrhythmusstörungen aufgedeckt und angemessen behandelt werden. Das könnte dazu beitragen, alte Menschen vor Stürzen zu schützen. Gleichzeitig ließe sich schweren Folgeerkrankungen vorbeugen, wie beispielsweise Schlaganfällen.“

Die Deutsche Seniorenliga unterstützt dieses Anliegen und hat sich mit dem Projekt „Querschnittsuntersuchung zum Zusammenhang zwischen Stürzen älterer Menschen und Vorhofflimmern“ bei der weltweiten Initiative „1 Mission 1 Million – Herzenssache Schlaganfall“ um einen Förderpreis beworben. Die Initiative unterstützt Aktionen mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit für Vorhofflimmern und seine Folgen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Projekte zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen – und damit mögliche wirtschaftliche Interessen – sind von der Initiative ausgeschlossen. Sponsor ist das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Die Abstimmung erfolgt öffentlich im Internet. Wer das Projekt der Deutschen Seniorenliga mit seiner Stimme unterstützen möchte, kann unter der Adresse https://www.herzenssache-schlaganfall.de/sturzprojekt Einzelheiten nachlesen.