Alzheimerpatienten drücken Schmerzen durch Körpersprache aus

Bonn, 21.01.2011 Menschen mit einer Alzheimerdemenz können oft nicht beschreiben, ob und wo sie Schmerzen haben. Angehörige und Pflegepersonen sollten daher geschickt nachfragen und auf indirekte Hinweise achten. Dazu gehören zum Beispiel eine sorgenvolle Mimik, häufiges Stöhnen oder ein abweisendes Verhalten.

Alzheimerpatienten erhalten seltener eine Schmerztherapie als nicht demenzkranke Gleichaltrige. Ein Grund: Sie verlieren nach und nach ihre sprachlichen Fähigkeiten und sind vor allem im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage, Schmerzen mit Worten zu beschreiben. „Das heißt aber nicht, dass sie keine Schmerzen haben. Sie drücken sie nur anders aus“, erklärt Professor Dr. Ingo Füsgen, Experte für Altersmedizin am Elisabeth-Krankenhaus Velbert. Angehörige und Pflegepersonen brauchen daher eine gute Beobachtungsgabe und viel Feingefühl, um Schmerzen bei Alzheimerkranken zu erkennen. Wichtig ist es beispielsweise, mehrmals täglich nachzuhaken: „Menschen mit Alzheimer büßen nach und nach ihr Kurzzeitgedächtnis ein und wissen oft nicht mehr, ob sie am Morgen oder in den letzten Tagen Schmerzen hatten“, erläutert Privatdozent Dr. Matthias Schuler, Leiter der Abteilung für Akutgeriatrie am Diakoniekrankenhaus Mannheim.

Wenn die Worte fehlen, hilft ein Blick auf die Körpersprache

Patienten, die sich zu ihren Schmerzen nicht mehr äußern können, sind auf die Beobachtungsgabe ihres Umfelds angewiesen. Sie drücken Schmerzen durch ihre Mimik, Lautäußerungen, die Körperhaltung und das Verhalten aus. Wenn ein Alzheimerpatient beispielsweise das Gesicht in Falten zieht, häufig stöhnt, das Essen ablehnt, stark angespannt ist oder bei Körperkontakt aggressiv reagiert, so kann das auch auf Schmerzen hinweisen. „Die betreuenden Personen sollten jedes dieser Anzeichen ernst nehmen. Zudem könnte eine organische Erkrankung dahinterstecken, die behandelt werden muss“, betont Schuler. Für professionelle Pflegeeinrichtungen existieren standardisierte Beobachtungsbögen, anhand derer das Pflegepersonal die Schmerzsituation der Patienten einschätzen kann. „Solche Skalen sollten in allen Pflegeheimen Standard sein“, fordert Füsgen. „Leider nutzen längst nicht alle Einrichtungen diese Möglichkeit, sodass man davon ausgehen muss, dass viele Alzheimerpatienten in Pflegeeinrichtungen überhaupt keine Schmerztherapie erhalten.“

Nähere Informationen über typische Merkmale der Alzheimererkrankung bietet die Broschüre „Alzheimer erkennen“, angeboten von der Deutschen Seniorenliga. Die Broschüre ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet bestellt werden: Deutsche Seniorenliga e.V., Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn, www.dsl-alzheimer.de.

Literatur:

M. Schuler, „Schmerzassessment bei Menschen mit Demenz“, Geriatrie-Report 03-2010

I. Füsgen, „Demenz und Schmerz“, Vortrag 17.03.2010, Velbert