Europäisches Jahr des aktiven Alterns in der Bevölkerung bisher noch unbekannt

„Zahl des Monats“: Nur 10 Prozent haben Kenntnis

Bonn, 17.01.2012 Zum Beginn des Europäischen Jahres 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen registriert die Deutsche Seniorenliga, dass in weiten Teilen der Bevölkerung bisher Unkenntnis über diese Initiative herrscht. Nach einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Seniorenliga wissen gerade mal 10 Prozent der Bevölkerung von dem Themenjahr.*

Einer weiteren Umfrage** zufolge sind sich 71 Prozent der Europäer darüber im Klaren sind, dass die Bevölkerung Europas immer älter wird. Aber nur 42 % finden diese Entwicklung besorgniserregend. Dies steht im krassen Gegensatz zur Wahrnehmung der politischen Entscheidungsträger, die die demografische Entwicklung als problematisch ansehen.

Die Deutsche Seniorenliga (DSL) begrüßt und unterstützt deshalb die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung“, meint Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der DSL: „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationenübergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft.“ Vor diesem Hintergrund fordert Hackler, den Worten sichtbar Taten folgen zu lassen: „Die Zeit der Diskussionen und Lippenbekenntnisse muss vorbei sein: Wir brauchen Nägel mit Köpfen. Das beginnt mit der Bildungs- und Erziehungsarbeit in Familien und Schulen und setzt sich dort fort, wo Handel, Banken und Industrie Jugend und Alter gleichermaßen Respekt erweisen!“

Während die Bevölkerung in Europa im erwerbsfähigen Alter stetig abnimmt, wird ab 2012 die Zahl der über 60-Jährigen jährlich um etwa zwei Millionen zunehmen. Zwischen 2015 und 2035 wird der stärkste Umschwung erwartet. Dann werden die sogenannten „Babyboomer“, die geburtenstarken Jahrgänge, in Ruhestand gehen. „Wir müssen die Rahmenbedingungen aktiven Alterns und insbesondere für ein unabhängiges Leben im Alter europaweit verbessern! Sinn macht ein solches Jahr nur dann, wenn angemessene Lebens- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die zunehmende Zahl älterer Menschen wirkungsvoll angeboten und fortschreitend verbessert werden“, so Hackler.

„Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik mit dem Ziel greifbarer Resultate ist aber zu wichtig, um in der Vielfalt gesellschaftlicher Themen unterzugehen“, begründet Hackler die Initiative der Seniorenliga: „Auf den demografischen Wandel muss mit klaren Maßnahmen reagiert werden. Nur so können die Möglichkeiten eines gesunden, aktiven Alterns verbessert und der Ausgrenzung und Vereinsamung älterer Menschen entgegengewirkt werden.“ Die fachliche Beratung zu diesem Thema erfolgt durch einen Experten-Pool der Seniorenliga aus relevanten Bereichen der Alternsforschung.

* Erhebung durch das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Seniorenliga vom 17.10.2011 bis zum 19.10.2011.

** Eurobarometer-Umfrage der Kommission Europäisches Jahr 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen

Hintergrund

Der Begriff „Aktives Altern“ wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: „Aktives Altern“ ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern“.***

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

*** World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.