Familienpflegezeit kann seit 1. Januar beantragt werden – Rentenansprüche bleiben bestehen

Kostenlose Broschüre und Antragsformular zur „Familienpflegezeit“

Bonn, 18.01.2012 Seit dem 1. Januar 2012 können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Verkürzung ihrer wöchentlichen Arbeitszeit auf maximal 15 Stunden eine Familienpflegezeit für die Dauer von maximal zwei Jahren in Anspruch nehmen. Das Modell gibt Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Die Einbußen beim Gehalt werden über eine Lohnaufstockung aufgefangen. Die Familienpflegezeit sichert auch den Erhalt der Rentenansprüche: Beitragszahlungen in der Familienpflegezeit sowie die Leistungen der Pflegeversicherung zur gesetzlichen Rente erhalten den Rentenanspruch. Die Seniorenliga-Broschüre „Familienpflegezeit“ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema und gibt wertvolle Tipps zur Entlastung pflegender Angehöriger. Gefördert wird der kostenlose Ratgeber vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Nicht selten gaben Pflegende bisher ihren Beruf auf und riskierten den Verlust von Rentenansprüchen sowie finanzielle Einbußen während der Pflegezeit. „Die neue Familienpflegezeit verhindert dies“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga: „Das Gesetz sorgt dafür, dass pflegende Angehörige nun Verantwortung für nahe Verwandte übernehmen können, ohne ihre Rentenansprüche zu verlieren.“ Im Gegenteil: Wer zusätzlich zum Job Angehörige pflegt, erwirbt doppelte Rentenansprüche. Während der Familienpflegezeit und der Nachpflegephase zahlt der Arbeitgeber die Beiträge auf Basis des reduzierten Arbeitsentgeltes weiter. Zusätzlich überweist die Pflegekasse der Rentenversicherung Beiträge, wenn der Pflegeaufwand mindestens 14 Stunden und die Erwerbstätigkeit höchstens 30 Stunden pro Woche beträgt. Die Ansprüche steigen mit der Höhe der Pflegestufe. Damit halten pflegende Angehörige ihre Rentenansprüche etwa auf dem  Niveau der Vollzeitbeschäftigung. Geringverdiener kommen gegebenenfalls auf höhere Einzahlungen, Besserverdiener müssen lediglich mit minimalen Verlusten rechnen.

In der betrieblichen Praxis orientiert sich die Familienpflegezeit am Modell der Altersteilzeit. Das heißt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließen eine individuelle Vereinbarung zur Familienpflegezeit ab. Wichtig hierbei: Dem Arbeitgeber entstehen keine Nachteile in Form zusätzlicher Kosten. Der Arbeitgeber tritt während der Pflegephase lediglich in Vorleistung, doch diese Lohnvorauszahlung wird vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zinslos refinanziert.

Der Ratgeber „Familienpflegezeit“ zeigt auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Familienpflegezeit nutzen zu können. Postalische Bestellung bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn. Bestell-Hotline: 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Min). Internet: www.deutsche-seniorenliga.de/service.php Dort steht auch das ausfüllbare Antragsformular zur „Familienpflegezeit“ als pdf-Dokument zur Verfügung.

Hintergrund

In Deutschland werden heute an ca. 2,25 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung erbracht. Es sind weit mehr als 1,5 Millionen Menschen, die zu Hause gepflegt und versorgt werden, und zwar durch Angehörige und ambulante Pflegedienste. 65 Prozent der Berufstätigen wollen ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen; bisher treffen sie hier auf schwerwiegende Probleme. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums lassen sich für 79 Prozent der Befragten Beruf und Pflege schlecht vereinbaren. Durch die neue Familienpflegezeit soll sich dies ändern.