Senioren werden immer aktiver

„Zahl des Monats“: Deutsche fühlen sich erst mit 76 Jahren alt!

Bonn, 14.03.2012 Wir werden immer älter. Schon bald wird es in Deutschland mehr alte als junge Menschen geben. Aber Altern ist längst nicht mehr gleich Altern. Die Lebensgestaltung der Senioren ist heute so individuell wie noch nie. Nur eines steht fest: Das Klischee vom ruhigen, anspruchslosen und hinfälligen Greis auf der Parkbank hat ausgedient. Das belegen auch Umfragen, wonach ein Mensch in Deutschland heute erst mit 76 Jahren als alt gilt. Medizinischer Fortschritt und verbesserte Lebensbedingungen haben dazu beigetragen, dass viele Menschen altersbedingte Schwächen ihres Körpers später erleben. Altern ist nicht mehr nur Schicksal, das es zu ertragen gilt, sondern ein beeinflussbarer Prozess – eine Frage des Lebensstils.

„Entgegen der allgemeinen Annahme sind viele Menschen heutzutage bis zum 75. Lebensjahr im Vollbesitz ihrer geistigen und oft auch körperlichen Kräfte“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga  Deshalb habe sich die Zeit zwischen dem 60. und dem 75. Lebensjahr zu einem Lebensabschnitt entwickelt, auf den man sich freut und ganz bewusst vorbereitet. Das bestätigen auch Studien, wonach mehr als zwei Drittel der alten Menschen mit ihrem Leben zufrieden sind.

Laut Hackler hat das mehrere Gründe: Rentner engagieren sich in hohem Maß für die Gesellschaft: Sie betreuen ihre Enkel, pflegen Angehörige und betätigen sich im Ehrenamt. Hinzu kommt, dass die heutigen Senioren im Durchschnitt deutlich gesünder und aktiver leben als frühere Generationen. Immer mehr nutzen Weiterbildungsangebote und sind sportlich aktiv. „Bewegung ist immens wichtig - auch und gerade für Ältere“, so Hackler. Bewegung hat sich in der Wissenschaft bislang als einzig sichere Möglichkeit erwiesen, die Alterungsprozesse wirksam zu verlangsamen. Wer im Alter mit einem regelmäßigen Ausdauertraining beginnt, verbessert innerhalb kurzer Zeit sein Herz-Kreislauf-System. Reaktion und Kurzzeitgedächtnis verbessern sich, die Koordinationsfähigkeit steigt und Unfall- und Verletzungsgefahr sinken. Gut für Herz und Kreislauf sind beispielsweise Wandern, Radfahren oder Schwimmen.

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga (DSL) begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung  aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung“, meint Hackler.: „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationenübergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft.“

Der Begriff „Aktives Altern“ wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: „Aktives Altern“ ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern“.*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.