Online-Umfrage: Verteilungsungerechtigkeit findet nicht statt

Solidarität zwischen Jung und Alt hat hohen Stellenwert

Bonn, 19.04.12 Allen Unkenrufen zum Trotz zeichnet sich ein Generationenkonflikt in Deutschland derzeit nicht ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Deutschen Seniorenliga in Auftrag gegebene Online-Umfrage. "Der vielbeschworene Generationenkrieg spielt sich nach unserer Untersuchung nicht ab", erläutert Dr. Uwe Kleinemas, Alternsforscher an der Universität Bonn.

Im Gegenteil: Jeder Zweite der Befragten unter 60 Jahren ist der Überzeugung, dass Ältere einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Zudem belegt die Umfrage, dass die familiäre und gesellschaftliche Solidarität zwischen den Generationen in Deutschland trotz der Veränderung der Altersstruktur und des raschen sozialen Wandels nach wie vor großgeschrieben wird. „Auch das Gefühl der Verteilungsungerechtigkeit gibt es in Wahrheit nicht!", so Kleinemas. Ein Generationenkrieg findet auch in diesem Punkt nicht statt: Nur eine Minderheit – 30 Prozent – denkt, dass jüngere oder ältere Altersgruppen ihre eigenen Interessen über die der jeweils anderen Generation stellen.

Zwar wird sich durch die soziale Entwicklung das Verhältnis zwischen den Generationen neu definieren, resümiert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga, doch sprechen alle Anzeichen für einen Erhalt der Generationensolidarität: „Durch die demografische Entwicklung und die alternde Gesellschaft wird zwar künftig ein verändertes Gewicht der Generationen entstehen und die ältere Generation auch machtpolitisch mehr an Einfluss gewinnen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der Dialog zwischen den Generationen abreißt."

Das Jahr 2012 ist zum "Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden. Die Deutsche Seniorenliga begrüßt und unterstützt die Initiative und die damit verbundene Auseinandersetzung: „Angesichts der demografischen Entwicklung in allen Ländern Europas steht die ernsthafte Förderung aktiven Alterns unumstößlich auf der Tagesordnung", meint Hackler. „In Zeiten, in denen die Jüngeren weniger und die Älteren mehr werden, setzt dieses Themenjahr ein generationen-übergreifendes Signal. Die Herausforderungen gesellschaftlichen Wandels zu meistern und seine Chancen sinnvoll zu nutzen, sind unabdingbare Pflichtaufgaben für die gesamte Gesellschaft."

Der Begriff „Aktives Altern" wurde bereits in den 1990er Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geprägt und 2002 auch definiert: „Aktives Altern" ist ein „Prozess der Optimierung der Möglichkeiten von Menschen, im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen und ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und derart ihre Lebensqualität zu verbessern".*

Koordiniert wird das Europäische Jahr 2012 in Deutschland vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* World Health Organization WHO 2002: Aktiv Altern. Rahmenbedingungen und Vorschläge für politisches Handeln. Ein Beitrag der Weltgesundheitsorganisation für die Zweite UN-Weltversammlung zu Altersfragen in Madrid. Genf. Deutscher Titel der Publikation herausgegeben vom Österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Kompetenzzentrum für Senioren- und Bevölkerungspolitik. Wien.